Von Susan Vahabzadeh

Robert Redford wurde vom Sexsymbol zum Filmemacher. Das Amerika, von dem Redford träumte, ist heute weiter weg als vor dreißig Jahren, aber die Hollywood-Mechanismen gehorchen ihm noch immer.

Ihr glaubt, sagt Robert Redford in einer seiner schönsten Rollen, als CIA-Bücherwurm in "Die drei Tage des Condor", zu einem Vorgesetzten, die Wahrheit sagen und beim Lügen nicht erwischt werden, sei dasselbe. Den Satz könnte man zur Not auch gegen ihn verwenden - denn ob Redford an diesem Samstag 70 wird, ist neuerdings nicht mehr ganz eindeutig.

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In Amerika floriert das Geschäft mit der Ahnenforschung, weswegen es Datenbanken gibt, wo man Gottweißwas nachschlagen kann. Auf der Website ancestry.com tauchte vor nicht allzulanger Zeit die Information aus dem kalifornischen Geburtsregister auf, die besagt, dass zwar ein Charles Robert Redford in L.A. geboren wurde - allerdings nicht am 18. August 1937, wie es in jedem Lexikon der Welt steht, von der Encyclopædia Britannica bis zum Brockhaus, sondern schon ein Jahr zuvor.

Da der Staat von Kalifornien darauf verzichtet, die Original-Geburtsurkunden seiner Bürger als Faksimile ins Netz zu stellen, bleibt einstweilen offen, ob es sich um einen Tippfehler handelt, eine böswillige Netzente, oder ob uns Redford zum Narren gehalten hat, fast 71 Jahre lang.

Das birgt, in seinem Fall, eine gewisse Ironie. In seiner großen Zeit in den Siebzigern spielte er in einer Liga ganz für sich allein, wie keiner nach ihm. Und der Ruhm und die Reinheit gehörten zusammen. Redford, ehemaliger Kunststudent, war durch Europa gereist, hatte dann mit der Schauspielerei begonnen, erst im Fernsehen, dann im Kino. Durch den Anti-Western "Butch Cassidy and the Sundance Kid" 1970 wurde er zum begehrtesten und teuersten Schauspieler. Er war gutaussehend, seine Spielkünste waren passabel, aber das war es nicht, was ihn einzigartig machte. Er hat eine neue Art von Star-Image erfunden, den Widerstandskämpfer für Amerika als Entwurf einer fairen, demokratischen Gesellschaft; davon träumten seine Filme.

Redford und seine Figuren verschwammen ineinander, besonders, wenn er mit dem Regisseur Sydney Pollack arbeitete. Der kritische Patriotismus des "Condor", der der CIA ein geheimes und mörderisches Planspiel zur Sicherung der Ölreserven versaut, der "Elektrische Reiter", der von der Bühne in Las Vegas hinunterreitet in die Wildnis, verzweifelnd an der Gewissenlosigkeit des Kapitalismus, an der Zerstörung der Natur, die er liebt - für all das stand Redford selbst.

Haltung als Markenzeichen

Bob Redfords Gesicht hat das des Journalisten Bob Woodward überlagert, den er in der Watergate-Verfilmung "Die Unbestechlichen" spielte, denn er war längst Teil des Prozesses geworden, mit dem Woodward und Bernstein Nixon zu Fall brachten. Redford hatte die beiden früh schon zur Zusammenarbeit bewegt, produzierte "Die Unbestechlichen" - Nixon trat 1974 zurück, nur ein paar Tage, bevor William Goldman bei Redford sein Drehbuch ablieferte.

In den Achtzigern gründete Redford das Sundance-Festival, viele Jahre wichtigstes Forum für unabhängiges Kino, um die Studiolandschaft zu verändern, dann - auch da war er Vorreiter - suchte das Sexsymbol intellektuelle Rehabilitierung, Redford wurde selbst Filmemacher. Aufrichtigkeit, Verantwortung übernehmen, das wurden seine Themen als Regisseur, am klarsten in "Quizshow" über einen Fernseh-Betrugsfall - den Moment, sagt Redford, als Amerika die Unschuld verlor ...

Die Haltung ist bei Redford zu einem Markenzeichen geworden. "Von Löwen und Lämmern" heißt sein neuer Film, der im November bei uns in die Kinos kommt, eine Story über die Verquickung von Afghanistankrieg und Politintrigen und Medienmacht. "If you don't stand for something, you might fall for anything", ist der amerikanische Werbeslogan. Das Amerika, von dem er träumte, ist vielleicht weiter weg als vor dreißig Jahren - aber die Hollywood-Mechanismen gehorchen ihm, dort ist sein Traum Gesetz.

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(SZ v. 18./19.8.2007)