Robert Redford über Angepasstheit und Patriotismus, Macht und Manipulation und seinen neuen Film "Von Löwen und Lämmern".
Nach sieben Jahren hat Robert Redford wieder Regie geführt, sein neuer Film "Von Löwen und Lämmern" läuft diese Woche bei uns und in den USA an - einer der vielen politischen Hollywoodfilme dieser Saison. Viele davon widmen sich dem laufenden Krieg im Irak, Redfords Film behandelt die amerikanische Präsenz in Afghanistan. In drei Episoden spielt er Probleme des internationalen Engagements in der Zeit der Globalisierung durch, er artikuliert Unbehagen angesichts des amerikanischen Imperialismus und fragt nach der Verantwortung des einzelnen Bürgers. Redford selbst hat eine der Hauptrollen übernommen, einen liberalen Professor, neben ihm sind Meryl Streep als Journalistin, Tom Cruise als eisenharter Senator zu sehen.
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Robert Redford: Schauspieler, Regisseur, Produzent und Legende. (© Foto: AFP)
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SZ: Seit den Siebzigern gelten Sie als überzeugende Verkörperung des Amerikaners, des liberalen, engagierten, freiheitlichen Amerika. Vor gut dreißig Jahren hieß es von der Figur, die Sie in "The Way We Were" spielten, das sei ein Mann "wie das Land, in dem er lebt". Wie würden Sie sich heute bei so einer Aussage fühlen?
Robert Redford: Was von meinem Land übrig geblieben ist, meinen Sie? Nun, ich bin ein Produkt des Landes, in dem ich lebe, und ich liebe mein Land. Alle Filme, die ich machte, handeln von meinem Land, vom amerikanischen Leben in ganz verschiedenen Formen, in der Familie, im amerikanischen Westen, in der Politik, im Sport, im Showbusiness. Mein Land interessiert mich, doch in welchem Maße ich es auch repräsentiere, müssen andere entscheiden. Sicher kann man sagen, dass ich mein Land verstehe, seine guten wie seine schlechten Seiten.
SZ: In den Filmen, bei denen Sie Regie führten, war schon immer Enttäuschung und Wut über den Zustand Amerikas zu spüren - erst jetzt aber haben Sie einen offen politischen Film gemacht.
Redford: Nun, der zweite Film, den ich selbst produzierte, 1972, war auch ganz klar politisch - "Bill McKay, der Kandidat", über einen Mann, der fürs Präsidentenamt kandidierte. Ich wollte zeigen, dass wir schon damals nicht mehr auf der Grundlage der Inhalte wählen, sondern nach Persönlichkeit und Kosmetik entscheiden. Ich selbst spielte diesen Kandidaten, der nicht qualifiziert war, sondern nur für sein Aussehen gewählt wurde. Auch "Die Unbestechlichen" war politisch . . . Aber es stimmt, "Von Löwen und Lämmern" ist tatsächlich mein politischster Film. Wenn Sie aber genau hinschauen, sehen Sie, dass nur eine der drei Geschichten offen politisch ist. Der Krieg in Afghanistan ist lediglich der Motor, der andere Teile des Films antreibt, in denen es darum geht, ob Politiker und Medien zusammen arbeiten oder nicht, und ob sich die jungen Leute für ihre Zukunft engagieren.
SZ: Wegen dieser Afghanistan-Episode ist Ihr Film oft simplifizierend als Antikriegsfilm bezeichnet worden . . .
Redford: Als wir den Film machten, habe ich das Studio ausdrücklich davor gewarnt, ihn als Antikriegsfilm zu verkaufen: Mir ging es darum, einen genaueren Blick auf unsere Gesellschaft zu werfen. Es geht nicht um den Krieg, sondern um die verschiedenen Faktoren, die zu diesem Krieg geführt haben.
SZ: Man könnte dem Film vorwerfen, dass er rund vier Jahre zu spät kommt . . .
Redford: Wenn man nur auf die Themen schaut, die da angesprochen werden, dann sicher. Als ich das Script vor einem Jahr bekam, war eine ganze Reihe davon ganz aktuell - aber ich weiß auch, dass sich die Dinge in meinem Land extrem schnell bewegen, dass das alles nur noch Nachrichten von gestern sind, wenn der Film gedreht ist und in die Kinos kommt. Ich wollte beleuchten, wie wir an diesen Punkt gekommen sind: Wie ist es möglich, dass die Medien zu Ausführungsgehilfen der Politiker wurden und dass Politiker ungestraft lügen. Wie konnten wir seit Watergate so tief fallen? Wenn man sieht, wie dieser Senator, den Tom Cruise spielt und die Journalistin, die Meryl Streep spielt, miteinander umgehen, wie sie sich gegenseitig angreifen, bekommt man ein Gefühl dafür, was da passiert ist - in welche Falle etwa die Journalistin gerät, weil ihre Zeitung inzwischen zu einem Konzern gehört.
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- Star-Album (64) Robert Redford 22.02.2001
Endgültiger DFB-Kader für EM
Die USA regiert nicht mit der Angst wie ich finde , sondern mit pathetischer Manier .Und auch der neue Film von Redford soll pathetisch sein .
Amerika hat den Rockn`Roll ins Leben gerufen , und das finde ich hervorragend .Musikalisch gesehen haben die USA in den fünfziger Jahren dem Konservatismus in den Allerwertesten getreten , und das war revolutionär .
Politisch jedoch haben sie sich in ihrer Weltherrschaftsrolle etwas zu weit aus dem Fenster gehängt , für meinen Geschmack jedenfalls .
Da aber andere Staaten neben der USA so schwachsinnig sind , finde ich es schwierig überhaupt eine Regierung zu verurteilen .Wie wäre es mit dem großen Sack , in den alle gesteckt werden ....
Schoen, dass Robert Redford es nach 6 Jahren auch merkt.
Die Regierung Bush hat innenpolitisch keine andere Politik als die der Angst.
Und die schuert sie seit dem 11.September 2001 gezielt immer wieder. Stets und staendig auf's Neue.
Alle anderen innenpolitischen Bereiche, wie etwa die Bidlungs-, Finanz-, Wirtschafts-,Kultur, Gesundheits-, Integrations-,Einwanderungs- oder Umweltpolitik sind seit der Amtsuebernahme der Regierung Bush im desolatesten Zustand seit Bestehen der USA. Ich kann davon ein Lied singen, denn ich lebe und wohne in den USA.
Gott sei Dank gibt es Leute, die nicht nur einfach die Flucht ergreifen, sondern Widerstand leisten. So konnte in vielen politischen Teilbereichen wenigstens das Schlimmste verhindert werden, etwa in der Umweltpolitik.
Aber wer auch immer die Nachfolge dieser unseligen Machtclique im Weissen Haus antritt, steht vor einem Scherbenhaufen im eigenen Land.
Aussen- und weltpolitisch - die dort entstandenen Schaeden brauchen meiner Meinung nach mindestens eine Generation, wenn nicht mehrere, um wirklich nachhaltige Verbesserungen zu erzielen.
"..und es gab Journalisten, sicher nicht alle, aber genug, die Angst davor hatten, sich gegen ihre Regierung zu stellen."
Das war in der Tat sehr traurig. Selbst die von mir früher sehr geschätzte Washington Post (ja, die WP von Watergate), schwenkte im Vorfeld des Angriffs auf den Irak vollkommen auf Regierungslinie, inklusive der böswilligen chauvinistischen Attacken gegen Chirac und Schröder. Die weitgehende Gleichschaltung der Medien in den USA war schon zum Fürchten.
Der Film ist sehr gut.
Spannend, faszinierend, intelligent. Bravo Robert Redford. Meryl Streep ist sensationell und Redford als Professor ebenfalls.
Redford filmt auf dem endlich von der amerikanischen Gesellschaft erarbeiteten Bushkritischen Fahrwasser des Zeitgeistes. Hollywoodästhetik. Immerhin, es tut sich ein klitzekleiner Lichtblick für uns alle auf. Oder werden wir am ende bloß diffus unterhalten? Ein Antikriegsfilm könnte ein Film sein, der beiden (verkriegten) Seiten gerecht würde. Jedoch, findet das heute im Kino statt?
Paging