Robert de Niro (60) Are you talking to me? Huh?

Kaum zu glauben: Das cineastische Chamäleon de Niro wird 60. Dazu ein Geburtstagsstrauß mit Bildern aus seinen Filmen - und Original-Texten aus dem Meisterwerk "Taxi Driver". Auch zum Anhören!

Von Bernd Graff

Robert De Niro. Unberechenbarer Schauspieler, der sich so sehr mit seinen Rollen identifiziert, dass er für denselben Film (Raging Bull, dtsch: Wie ein wilder Stier) mal Muskeln, mal Pfunde antrainiert.

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Die große Besessenheit, mit der er seine Verwandlungen perfektionierte, wird nur allerdings noch selten gefordert - zuletzt für die Rolle des Schlaganfall-Patienten in "Makellos" (1999), die er wochenlang im Krankenhaus mit einem Bleischuh, Gewichten am Arm und Wangen-Einlage probte.

Am 17. August wird Robert De Niro 60 Jahre alt.

Das Amerikanische Filminstitut (AFI) ehrte den großen Schauspieler schon Mitte Juni für sein Lebenswerk. Seine Kollegen beschrieben ihn als bescheiden und großzügig.

So erinnerte sich James Woods, der seinen Gegenspieler im Mafia-Epos "Es war einmal in Amerika" (1984) spielte: "Bob" De Niro habe ihm vorgeschlagen, den Gangsterboss mit blendend weißen Kunstzähnen zu spielen.

Da die Produzenten dafür kein Geld genehmigten, griff De Niro in die eigene Tasche. Woods hörte von ihm die Begründung: "Weißt Du was: Wenn Du nicht großartig bist, kann ich nicht großartig sein. Also lass uns alle zusammen großartig sein."

Wegweisenden Einfluss auf De Niros Karriere hatte Regisseur Martin Scorsese, der den knapp 30-jährigen Schauspieler für die Schlüsselrolle des Kleinkriminellen Johnny Boy in "Mean Streets" engagierte.

Beide stammen aus "Little Italy" in New York, wo der Künstlersohn De Niro ohne Vater aufwuchs.

Seine besten Rollen spielte De Niro in den 70er Jahren, als er noch nicht als Star galt: den gewalttätigen "Taxi Driver" Travis Bickle, den jungen Vito Corleone in "Der Pate II" (dafür erhielt er den Oscar), den Saxophonspieler Jimmy Doyle in "New York, New York", den Stahlarbeiter Michael Vronsky in "Deer Hunter" oder den Boxer Jake LaMotta in "Wie ein wilder Stier".

Für die Boxerrolle verordnete er sich eben die spektakulärste Verwandlung: Er ließ sich vom wirklichen LaMotta zum Boxer trainieren und trat bei drei Mittelgewichtskämpfen an. Danach fraß er sich in vier Monaten 50 Pfund an, um den aufgedunsenen Boxer am Ende seiner Karriere darstellen zu können. Dafür gab es 1981 den zweiten Oscar.

Perfekt wird die Verwandlung aber erst mit der Kunst des vollkommenen Ausdrucks: Robert de Niro wird eins mit seiner Rolle und erreicht eine Intensität, die sich ins Gedächtnis einbrennt - zum Beispiel die Szene, in der der entwurzelte Vietnamveteran in "Taxi Driver" sein Spiegelbild verhöhnt ("You talking to me?", DOWNLOAD!!!).

Kritiker werfen ihm vor, später nur noch schauspielerisches Handwerk abgeliefert zu haben, ob er nun Al Capone in "Die Unbestechlichen" oder einen Analphabeten in "Stanley & Iris" spielte.

De Niro hat seit Anfang der 90er Jahre so viele Rollen übernommen, dass allein aus Zeitgründen keine intensive Vorbereitung möglich war. "Mein Motto ist, wenn der Film funktioniert, wenn mein Charakter stimmig ist, geht das in Ordnung. Darüber hinaus: Ich habe Ausgaben, und so lasse ich mich überzeugen", erklärte er selbst.

Das Vorurteil, er brauche nur sein "verschlagenes Grinsen und unterdrückten Wahn" zu zeigen, widerlegte er als illusionsloser Ex-Knackie in "Jackie Brown" (1996) oder als dubioser Berater des amerikanischen Präsidenten in der Politsatire "Wag the Dog" (1997).

Mit Vergnügen hat Robert De Niro dann den Mafiaboss in "Reine Nervensache" (1999) parodiert.

Diesen Film hat er ebenso wie ein Jahr später "Meine Braut, ihr Vater und ich" selbst produziert.

1989 hatte De Niro die Produktionsfirma TriBeCa Productions gekauft und in Manhattan ein Film Center und einige Restaurants in historischen Gebäuden eingerichtet. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 veranstaltete er das fünftägige "Tribeca Film Festival". Ein Teil der Erlöse waren für den Wiederaufbau zerstörter Gebäude bestimmt.

De Niro beteiligte sich auch an einer Rekrutierungskampagne des amerikanischen Militärs und veranstaltete die Premiere von "Analyze That" ("Reine Nervensache 2") beim Truppenbesuch in Florida.

Sein Privatleben schirmt Robert De Niro ab. Er heiratete 1976 die Schauspielerin und Sängerin Diahnne Abbot, mit der er einen Sohn bekam.

Mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Toukie Smith hat er Zwillingssöhne, die 1995 nach einer In-vitro-Fertilisation von einer Leihmutter zur Welt gebracht worden waren.

Nach der Trennung und einem Sorgerechtsprozess heiratete De Niro im Juni 1997 die ehemalige Stewardess Grace Hightower, mit der er einen weiteren Sohn bekam. Im Sommer 1999 reichte er Presseberichten zufolge die Scheidung ein.

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