Wenige Wochen vor der Tschernobyl-Katastrophe veröffentlichte der Soziologe Ulrich Beck sein Buch "Risikogesellschaft": ein Gespräch über den größten anzunehmenden Unfall, die Gefahr und die Verantwortungslosigkeit.
SZ: Vor 25 Jahren explodierte Tschernobyl, zum selben Zeitpunkt kam Ihre "Risikogesellschaft" heraus. Jetzt haben wir eine vergleichbare Katastrophe in Japan. Haben wir seither nichts gelernt?
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In seinem Buch "Risikogesellschaft" arbeitete Ulrich Beck heraus, dass "die gesellschaftliche Produktion von Reichtum systematisch einhergeht mit der gesellschaftlichen Produktion von Risiken": Bis 2009 lehrte er an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, heute lehrt er an der London School of Economics und in Harvard. (© Robert Haas)
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Ulrich Beck: In der Tat, die großen Krisen schienen seitdem weitgehend dem Drehbuch der "Risikogesellschaft" zu folgen. Die herausragenden Beispiele sind der Tsunami in Indonesien, die Katrina-Überflutung von New Orleans, aber auch der Rinderwahnsinn, die Schweinegrippe; selbst die Finanzkrise von 2008 gehört dazu. Allen Krisen war gemeinsam, dass sie vorher als kaum vorstellbar galten. Jedes Mal war darum der bisherige institutionelle und kognitive Erwartungsrahmen überholt. Das Makabre der jetzigen Katastrophe ist, dass sie sich in einem grusligen Wettbewerb der Großrisiken ereignet. Viele glaubten ja, dass sich das Risiko des Klimawandels durch vermehrten Einsatz von umweltfreundlicher Kernenergie ersetzen lässt.
SZ: Welchen soziologischen Begriff muss man sich von einem Super-GAU machen?
Beck: Ein GAU bewegt sich noch im Rahmen der vorhandenen Ressourcen und Gefahrenszenarien der Nuklearenergietechnik. Der Super-GAU stellt genau diese Voraussetzungen in Frage.
SZ: Inwiefern unterscheiden sich diese Voraussetzungen von Fukushima und Tschernobyl?
Beck: Es war damals die geradezu geniale Antwort von Franz Josef Strauß, Tschernobyl als "kommunistische" Katastrophe auszugrenzen - mit der Unterstellung, dass der hochentwickelte kapitalistische Westen über sichere Kernkraftwerke verfüge. Nun ist aber die jetzige Havarie in Japan passiert, das als das bestmöglich ausgestattete und auf Sicherheit hin organisierte Hightech-Land der Welt gilt. Die Fiktion, dass man sich im Westen in Sicherheit wiegen kann, ist hin.
SZ: Ist nicht im Vergleich zu Tschernobyl zwischen natürlicher und technischer Katastrophe zu unterscheiden?
Beck: Die Kategorie Naturkatastrophe signalisiert, dass sie nicht von Menschen verursacht und daher auch nicht von Menschen zu verantworten ist. Das ist aber die Sicht eines vergangenen Jahrhunderts. Der Begriff ist schon deshalb falsch, weil die Natur keine Katastrophen kennt, allenfalls dramatische Veränderungsprozesse. Solche Veränderungen wie ein Tsunami oder ein Erdbeben werden erst im Bezugshorizont menschlicher Zivilisation zur Katastrophe. Der aktuelle japanische Fall macht augenscheinlich, wie das, was wir der Natur zurechnen, und das, was wir der Technik und menschlichem Können zurechnen, direkt miteinander verwoben ist. Das Beispiel, wie hier Erdbeben und Flutwellen erst aufgrund der (mangelnden) Sicherheitstechnik der Kernkraftwerke die Katastrophe bewirkt haben, zeigt, dass natürliche und zivilisatorische Sphären nicht als getrennt zu sehen sind.
SZ: Was bedeutet das für die Frage der Verantwortung?
Beck: Schon das historische Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 hat die gesamte intellektuelle Welt alarmiert, weil man es auch damals nicht mehr als natürliche Katastrophe ansah. Man setzte Gott auf die Anklagebank, dessen Vorsehung die Katastrophe zugelassen hat. Heute werden Katastrophen weder Gott noch dem Weltgeist angelastet, stattdessen rechnet man sie schwer zu durchschauenden politischen, unternehmerischen und technischen Institutionen und Entscheidungen zu.
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Trotz der äußerst beklagenswerten Geschehnisse in Japan, haben wir doch von der reaktorphysikalischen Seite sogar eine sehr erfreutliche Feststellung zu treffen: Der GAU, wie er in Tschernobyl stattgefunden hat, läßt sich nun mit 100%iger Sicherheit ausschließen. Der größte anzunehmende Unfall, der sich in Tschernobyl ereignete, war die Explosion des Reaktors aufgrund einer ungebremsten Kettenreaktion in den Brennelementen. Was dort geschah, war eine kleine Atombombenexyplosion, "klein" deshalb, weil bei einer Atombombe der Zustand der ungebremsten Kettenreaktion gezielt verlängert wird, was freilich in Tschernobyl so nicht geschah. Die Reaktoren in Japan haben aufgrund ihres negativen Reaktivitätskoeffizienten lange vor der Knallgasexplosion die Kettenreaktion automatisch abgeschaltet, warum die dabei frei gewordene Energie keine Kernspaltungsenergie war, die vermutlich um wenigstens einige 100.000 Mal geringer war, als die dort freigewordene Knallgas-Energie. Wir können nun also 100%ig sicher sein, daß der GAU nicht eintritt, wenn wir unsere Kernreaktoren nicht mit einem positiven Reaktivitätskoeefizienten ausstatten, wie dies in Tschernobyl der Fall war, sondern mit einem negativen Reaktivitätskoeffizienten. Natürlich hat auch die in Japan noch immer mögliche Kernschmelze äußerst fatale Folgen, aber eben gerade nicht die Verbreitungsgefahr sehr langlebiger Isotope in der nahen und fernen Umgebung, so wie das in Tschernobyl der Fall war. Leider werden aufgrund der kernphysikalischen Unkenntnisse der Politiker und der Journalisten und offensichtlich auch von Herrn Beck, diese immerhin ein wenig beruhigenden Tatsachen gänzlich übersehen. Im Gegenteil dazu werden in vielen öffentlichen Sendungen scheinbare Fachleute herangezogen, die ihre Erfahrungen über Tschernbobyl eins zu eins auf die japanischen Verhältnisse übertragen, was allerdings äußerst unverantwortlich ist.
Ganz aus dem Blick ist auch Herrn Beck gekommen, daß wir sachlich die Risiken abzuwägen haben, die sich mit den verschiedenen Energiebereitsstellungsverfahren verbinden. Da sind vor allem die mit der Kernenergie unvergleichbar viel größerern Schädigungen zu nennen, die wir durch das Verbrennen der fossilen Materialien wie Kohle, Erdöl und Erdgas sogar tagtäglich hinzunehmen gewohnt sind. Wir haben in Deutschland jährlich etwa 40.000 Lungskrebstote zu beklagen, davon sind höchstens 5% auf eigenes Verschulden durch Rauchen zurückzuführen. Der Löwenanteil
"ynwa schreibt @russow
der man heißt Ulrich beck, ihr schlampinger umgmang mit dem namen entspricht dem restlichen niveaus ihres beitrages."
Schmeckt der Ihnen als Ulrich back nicht besser?
"In der japanischen Nordost-Provinz Miyagi messen Experten eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal. (,,,)"
Was Sie dabei "vergessen" zu sagen ist, daß auch diese Dosis nicht gesundheitsschädlich ist. Denn 40.000% von nahe Null erreichen noch nicht einmal 1.
Die Predigt kenne ich schon in der Farbe rot: Wenn alle Räder stillstehen, kann nichts passieren und wir sind darüber hinaus auch noch gute Menschen. Auf Kirchentagen singen wir uns warm und schunkeln, nicht bei Helau, sondern bei Halleluja. Um unser Risikobewusstsein zu schärfen, bilden wir Menschenketten, demonstrieren und vertreiben uns die Zeit mit Polizisten-Bashing. Die Stütze ist pünktlich am Konto und wenn uns kalt ist, drehen wir die Heizung auf. So steht es zwar nicht hier, so ist es aber immer gewesen. Die Gleichsetzung von Anti-Atom-Gesinnung und Risikobewusstsein legt den Schluss nahe, dass der Prof. seine besten Jahre in den Achtzigern hatte. Ich lese gerade ein Buch (Jared Diamond, Kollaps, S. Fischer, 2005), in dem auf 700 Seiten ausgebreitet wird, welche Möglichkeiten die Menschen bislang ge- und erfunden haben, sich auszurotten, zumindest das Leben unerträglich schwer zu machen. Das Wort Atom habe ich noch nicht gefunden. Was sich in Deutschland derzeit politisch abspielt hinsichtlich eines atomfreien Risikobewusstseins, lässt sich einfach daran erkennen, dass Rot-Grün eine gigantische Subventionsindustrie zur Gewinnung alternativer (!) Energie vom Stapel gelassen hat, gegen die vor Ort die gleiche Gesinnung alle Rechtsmittel einsetzt, wenn es z.B. um den Bau geeigneter Stromnetze geht. Der treu und doof vor sich hinarbeitende Malocher in Deutsch-Südwest denkt, es ist zu seinem Besten und wird die Grünen demnächst zur zweitstärksten Partei küren. Und das soll das Ländle der Dichter und Denker sein.
zu wissen, dass ich sterben werde, und nicht zu wissen wann.
Man kann mit Sicherheit feststellen, dass die Stromerzeugung in Atomkraftwerken, schlimmer noch die Erzeugung von Atomwaffen, Müll erzeugen, mit dem niemand weiß wohin. Schon ganz allein aus diesem Grund ist der allerschnellste Ausstieg aus diesen lebenszerstörenden Wahnsinnstechnologien geboten. Wir haben es hier mit galoppierendem Wahnsinn, nicht mit Unsicherheitskultur zu tun. Um dies festzustellen, reicht der gesunde Menschenverstand.
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