Von Gottfried Knapp

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten: Rheinland-Pfalz plant eine Rheinbrücke an der Loreley und riskiert die Aberkennung des Unesco-Welterbetitels für das Obere Mittelrheintal.

Wenn deutsche Landschaften in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen werden, scheint bei den Politikern der Region nicht der verdiente Konservatorenstolz aufzukommen, sondern das höchst destruktive Gefühl, das unter Schutz gestellte Stück Land nun um jeden Preis weiterentwickeln und verändern zu müssen.

(© 98)

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Nur dank der über Jahrhunderte hinweg freigehaltenen Elbufer hat die Stadt Dresden den Aufstieg in den Olymp der Weltkultur geschafft. Doch kaum war die Bestätigung aus Paris da, gab die Stadt ihren alten Plan bekannt, das unter Weltschutz stehende Elbtal ausgerechnet am Waldschlösschen, an der landschaftlich freiesten und empfindlichsten Stelle, mit einer grobschlächtigen Straßenbrücke zu überspannen. Wahrscheinlich wird der Stadt, da sie nicht bereit ist, die demonstrativ eingeleiteten Bauvorbereitungen zu stoppen, im Sommer 2008 der Welterbetitel aberkannt.

Und so wird es auch dem Land Rheinland-Pfalz ergehen, wenn es seine Pläne wahrmacht, im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", also in jenem landschaftlich wie kulturgeschichtlich reichen, mit Märchen und Mythen imprägnierten Durchbruchstal zwischen Bingen und Koblenz, ausgerechnet an der engsten und schönsten Stelle, bei St. Goar, in Sichtweite des Loreley-Felsens sowie mehrerer bekannter Burgen, eine Straßenbrücke zu errichten.

Die gouachierte prächtige Druckgraphik von 1820, die wir einem Katalog des Stadtmuseums Bonn entnehmen, zeigt die Rheinschlingen am Fuß der Loreley, wie sie sich nachts den Besuchern dargeboten haben. Sie gibt auch eine Ahnung davon, wie brutal eine moderne Brücke, die den vielbefahrenen Strom ja in einiger Höhe überqueren müsste, die Maßstäbe dieser einzigartigen Tallandschaft und das symbiotische alte Miteinander von Natur und Architektur zerstören würde.

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(SZ vom 23.1.2008/korc)