Reuters-Fotograf Thomas Peter

Das war die erste Aktion der Gruppe Voina, und sie fand nach wenigen Sekunden ein gewaltsames Ende. Am Tag der Arbeit, der in Russland bis heute mit allem Pathos des Klassenkampfes inszeniert wird, betreten zur Mittagszeit ein Dutzend Aktivisten ein McDonald's-Restaurant unweit der Parade. Sie tragen Sporttaschen. Ein Chor des Miauens mischt sich unter die Stimmen der Hungrigen. Als die Bedienung "Der nächste Bitte!" ruft, fliegt eine Katze über den Tresen. Dann noch eine. Dann kommt es zu einer Schlägerei. Voina hatte übersehen, dass auch Zivilpolizisten Mittag machen. Plötzlich lag jeder Zweite im Restaurant auf dem Boden, entweder niedergeworfen oder sich in Rage niederwerfend. Ich hatte das Gefühl, wir wären in eine Polizeikantine geraten. Ein Polizeirevier würde die Gruppe ein Jahr später auch noch aufmischen, allerdings dann schon mit einer ausgeklügelten Täuschungs- und Fluchtstrategie. An diesem Tag wurden fast alle Aktivisten verhaftet. Zum Grand Finale kam es nicht. Oleg wertete die Aktion dennoch als Erfolg. Sie sollte den Trott der Bedienung brechen, und das war gelungen.

14. Mai 2012, 08:47 2012-05-14 08:47:03  © Süddeutsche.de/dho

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