Regensburg Ist diese "Heimatliebe" suspekt?

"Den Spieß umdrehen" wollen "Django 3000" in Regensburg.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bands, die bei dem neuen Festival auftreten, hadern mit der möglichen rechten Gesinnung von dessen Veranstalter

Von Michael Zirnstein, Regensburg

"Heimatliebe" - das Ziel des neuen Festivals von 7. bis 9. Juli auf Schloss Pürkelgut sei es, "das Lebensgefühl einer selbstbewussten, jungen und heimatbezogenen Generation" widerzuspiegeln. Den erhofften 5000 Besuchern gibt der Ausrichter, der Veranstaltungsservice Peter Kittel, mit auf den Weg: "Gemeinsame Tradition und Werte vereinen, schaffen Zusammenhalt und sind Basis für ein harmonisches Miteinander." Doch die Harmonie ist gerade futsch, einige der auftretenden Künstler können keine gemeinsamen Werte entdecken - zumindest nicht mit sich und Gastgeber Peter Kittel.

Zwei der Zugnummern sind alarmiert: Moop Mama und Django 3000. Fans, so erklärt Django-3000-Manager Jakob von Stillfried, hätten geschrieben: "Wisst ihr nicht, für wen ihr da spielt?" Es war ihnen offenbar nicht klar. Vertrag und Rechnungsnummer lauteten zwar auf die "Veranstaltungsservice Regensburg Peter Kittl GmbH", aber verhandelt hatten sie den Vertrag mit einem Mittelsmann, dem sie vertrauten. Da hieß das Festival auch noch so unschön wie unverdächtig "Bay-Klang". Kittel kannten sie nicht, machten sich aber schlau, und erfuhren, dass der Organisator des Papstbesuches in Regensburg und des Wintermarktes auf Schloss Thurn und Taxis auch Herausgeber des Regensburger Stadtanzeigers ist. Was Kittel selbst in "Ostbayerns größter Stadtillustrierter" schreibt, gefiel ihnen ganz und gar nicht: So lästerte er über den "Gutmenschen-Zoo" und bediente die rechten Vorurteile: "Alle Asylanten dieser Welt möglichst zu uns (...) und alle Kirchen zum Zwecke der Integration möglichst rasch umgewidmet in Moscheen. Ach Du schöne neue Welt, was bist Du zum Kotzen." Gegen solche Parolen regte sich in linken Kreisen Widerstand; der Blogger Stefan Aigner verlieh Kittel den satirischen Spitznamen "Pegida-Peter" - dessen Beschwerde wies der Presserat ab.

"Hätten wir das vorher gewusst, wir hätten den Auftritt nicht ausgemacht. Wir distanzieren uns von jeglichem rechten Gedankengut", sagt Django-Manager von Stillfried. Seine Band schloss sich mit anderen Künstlern der Agentur Südpol und Moop Mama kurz und ließ sich fortan alle Werbetexte zum Festival vorlegen. Bisher entdeckten sie nichts Verwerfliches. Wenig nach Rock'n'Roll lesen sich Kittels SSS-Maxime für eine gelungene Veranstaltung unterdessen: "Schön. Sicher. Sauber". Die 15 Bands - von den Schürzenjägern über die Mundart-Rapper Dicht & ergreifend bis zu den Wirtshaus-Poppern Pam Pam Ida - sind politisch unverdächtig, und auch am Leitgedanken ist erst einmal wenig auszusetzen: So setze man sich mit dem Heimatbegriff "nicht in Form von starrem Festhalten an überkommenen Werten" auseinander: "Leben und leben lassen, dieses urbayerische Lebensmotto der Toleranz und des unbefangenen Miteinanders erfährt so eine ganz aktuelle Bedeutung." Auch Kittel schreibt der SZ, er freue sich auf "ein unpolitisches, schönes und entspanntes Musikfest mit fröhlichen Menschen . . . "

Sollte sich daran etwas ändern, wollen Moop Mama, Django 3000 und etwa Blankweinek lieber Vertragsstrafe zahlen und absagen. Zudem wollen sie "den Spieß umdrehen" und "ein Zeichen setzen", indem sie von ihrer Gage Karten für Flüchtlinge und deren Helfer kaufen. "Es soll nichts an uns picken bleiben", sagt Andreas Weinek. Er ist auch Geschäftsführer des TV-Senders History Channel und setzt sich im Duo mit dem "Dahoam is dahoam"-Darsteller Harry Blank viel mit Heimat auseinander. "Heimat ist, wo man lieb zu mir ist. Heimat ist für alle und jeden. Wir wollen den Begriff nicht den rechten Idioten überlassen", sagt er, ohne jemand bestimmten zu meinen.

Aus dem Büro Kittel heißt es: "Versuchen, das Festival als Bühne für wie auch immer geartete Politagitation zu missbrauchen, stellen wir uns entschieden entgegen." Man gehe davon aus, "dass sämtliche Bands (. . .) ebenfalls wenig Interesse an irgendwelchen uncoolen politischen Botschaften haben." Vorgaben werde man den Künstlern keine machen. Wäre ja auch noch schöner, findet Weinek: "Wenn wir einen 25-köpfigen afghanischen Flüchtlingschor auf die Bühne holen wollen, dann tun wir das."