Esoterik trifft Rassismus: Ein Streifzug durch eine Szene, in der sich scheinbar geheimnisvolle Lehren mit Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Rassismus vermischen.
Berlin, im März - Egal an welchem Wochenende, irgendwo in Deutschland ist immer irgendeine Esoterik-Messe. Diesmal in Berlin. Die meisten der Besucher sind nicht jung und nicht alt und gehören, wenigstens ihrem Aussehen nach, nicht zu den Superreichen und nicht zu den Bitterarmen und nicht zur Intelligenzia und nicht zu den Geistlosen, soll heißen: Die vielbesungene Mitte der Gesellschaft, hier scheint sie versammelt zu sein.
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Als erstes ein Wahrsager. Kaum, dass sich von weitem die Blicke begegnen, ruft er mit ausholender Geste, du bist ein Denker, das seh ich, aber als man spöttisch zurückruft, so, woran denn, wechselt er umstandslos seine Erkenntnis und lobt, die zwei linken Hände übersehend, mit denen man ausgestattet ist: ein Techniktüftler, das ist dein Ding, stimmt's?
Paar Meter daneben eine Kamera, die laut Beschreibung imstande ist, die menschliche Aura abzubilden; hübsch bunt ist sie, die Aura, wie sich auf dem Abzug erweisen wird, und kreisförmig natürlich, eine Mischung aus Regenbogen und Heiligenschein, macht 29 Euro. Schließlich ein riesiger Bücherstand mit Werken wie "Die Seele in den Meisterjahren", und zwischen diesen Werken: ein Autor namens Jan van Helsing.
Ein Pseudonym. Wie jeder weiß, der "Dracula" gesehen oder gelesen hat, ist Professor van Helsing ein großer Vampirjäger. Der Mann dahinter aber heißt Jan Udo Holey. Er legte sich das Pseudonym vor der Veröffentlichung seines Buches "Geheimgesellschaften" zu, weil die "Illuminati", mit denen er sich darin beschäftigt, ja ebenfalls Blutsauger seien, Menschen, "die auf Kosten anderer Menschen existieren". Er habe den Namen einfach witzig gefunden. Man dürfe diese Burschen, die Illuminati, nicht ernst nehmen, dann ärgerten sie sich sehr.
Jene Illuminati sind bei ihm nach der Weltherrschaft strebende Juden. Sie, sagt er, haben den Zweiten Weltkrieg angezettelt, und sie werden auch den Dritten Weltkrieg anzetteln, ihre Führer sitzen in den Schweizer Bergen, wobei hinzukommt, dass selbst diese Führer nur Werkzeuge sind, Gesellen von Außerirdischen, die nach der Macht auf Erden streben, ekelerregende Graue, denen jedoch glücklicherweise gute große blonde Außerirdische gegenüberstehen, Arier in gewisser Weise, die sich im hohlen Erdinnern verborgen halten, wo sie mit Flugscheiben sich bewegen und . . .
Das ganz heiße Herz
Das ist Blödsinn? Gewiss, aber man wird, wenn man sich ein wenig näher mit Jan Udo Holey und mit all jenen beschäftigt, denen er als Heiland gilt, durchaus auf eine gewisse Systematik stoßen. Und auf eine erstaunliche Wirkung.
Das erwähnte Buch Holeys, sein erstes, war von 1993 bis 1996 auf dem Markt. Es verkaufte sich 100 000mal. Dann wurde es verboten. In der Anklageschrift ist von einer durchgängig antisemitischen Schrift die Rede, von bewusster Verdrehung historischer Tatsachen und von der Absicht, eine feindselige Haltung gegen die Juden zu schüren.
Deshalb liegt es auch nicht auf der Messe. Aber spätere Bücher des Autors, wie auch die Titel weiterer Schreiber, die in ähnliche Richtung zielen, kann man kaufen. Sie gehören längst zur Esoterikszene, braune Sprengsel im bunten Hokuspokus. Dies hier ist etwas anderes als die körperliche Präsenz irgendwelcher Glatzen, dies ist ein Extremismus, der sich ins Spirituelle kleidet, oder auch anders herum, Spirituelles, das ins Extremistische lappt, eins franst ins andere.
Und weil es da nicht so einfach ist, eine Grenze zu ziehen, gibt es, außer den Auflagenhöhen, auch keine gesicherten Zahlen über Protagonisten und Anhänger. Nur so viel ist klar: Es handelt sich um eine selbständige Szene mit eigenem Publikum, das manchmal gar nicht weiß, wohin die Reise geht, wenn es so ein Büchlein zur Hand nimmt.
Jo Conrad zum Beispiel, man ist jetzt unterwegs zu Jo Conrad, der in Worpswede wohnt. Conrad tritt regelmäßig in secret.tv auf, einem von Jan Udo Holey betriebenen Internetsender. Sein Buch "Entwirrungen" wird gerade in der neunten Auflage ausgeliefert. Bis vor kurzem war es unter anderem über den SZ-Shop zu ordern; warum auch nicht, so der erste Eindruck.
Ziemlich am Anfang ein Hinweis auf die Astralebene, auf der man Kontakte zu Ufos herstellen kann. Dann was Heißes: Wir alle haben "einen Funken in uns, den die Wissenschaft nicht versteht". Er befindet sich in einer Herzkammer, in der nicht weniger als 100 Grad herrschen, weshalb er Hot Spot genannt wird. Man fasst sich instinktiv ans Herz und liest gleichzeitig weiter und erfährt, dass Menschen, die leiden, selber Schuld daran sind: Sie haben in einem früheren Leben anderen Menschen schreckliche Qualen zugefügt und müssen nun spüren, wie sich das anfühlt, eine notwendige Lektion.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Karl Marx mit den rechten Esoterikern zu tun hat.
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Bundespräsident Gauck in Israel
schöner Artikel. Fehlen noch die Beiträge von David Icke in der Reihe und das Bild ist rund. Besten Dank ;)
http://www.aisjca-mft.org/ Tja - hier vergeht einem das Scherzen :( :( :(
Schönen guten Tag,
ich bin auf jeden Fall - ohne Scherze - in Verbindung mit Personen, die zum Teil - medizinisch überprüft mit modernsten Maschinen - gechippt sind und furchtbare Torturen hinter sich haben.
Das ist schlicht und einfach FAKTUM.
Gruss
www.endtimehappenings.blogspot.com
www.cityoflondoncorporation.blogspot.com
www.princecharlesofwales.blogspot.com
www.algoreandclimatechangeb.blogspot.com
Danke, dass Sie meinen Beitrag (in "abgespeckter" Version) nun doch veröffentlicht haben. Ich werde mich bemühen, mich zukünftig etwas umgänglicher auszudrücken. ;)
Es war wirklich nicht meine Absicht, Sie oder irgendjemanden in irgendeiner Form zu beleidigen. Ich wollte nur meine Meinung sagen - durchaus energisch! ;)
Immerhin haben sie mir damit gezeigt, dass sie meine kritische Stimme hier nicht vollkommen unterdrücken wollen, sondern ich mit meinem Ton bei Ihnen vielleicht auf etwas Unmut gestoßen bin. Dies war nicht meine Absicht und ich entschuldige mich dafür, falls ich irgendjemandem zu nahe getreten bin.
Also vielen Dank für die Veröffentlichung! (Das meine ich ERNST!) :)
Also, man mag zu secret.tv stehen, wie man will.
Aber Ihr Artikel ist meiner bescheidenen Meinung nach aus journalistischer Sicht doch sehr fragwürdig.
Es gibt übrigens eine Gegendarstellung zu diesem Artikel von secret.tv. Er ist über google zu finden. Man suche nach "secret.TV Aktuell: Danke, Süddeutsche!".
Da gibt es einen Kommentar von secret.tv und Fotos, die man im Süddeutsche-Bericht vermisst. Warum haben Sie denn im Artikel kein Foto vom angeblichen Sonnenrad (kreisförmiges Hakenkreuz) abgebildet? Stattdessen haben Sie eine "echtes" Sonnenrad ("Hakenkreuz") abgedruckt. Soll dies dem Leser suggerieren, es handele sich um eine Nazi-Website, obwohl man beim Besuch der Seite vergeblich nach derartigen Indizien sucht? (Ich zumindest!)
Zitat SZ-Artikel:
"Jetzt ist ein Sonnenrad in seiner runden Form in Fichtenau im hügeligen Mittelfranken zum Stehen gekommen. Jan Udo Holey hat es, aus Holz und Glas, in eine der Türen seines Anwesens eingearbeitet, das ist erlaubt, und das ist symbolträchtig."
Im Ihrem Artikel ist also von einem Sonnenrad an Holeys Anwesen die Rede (Holey sagt auf seiner Webseite hingegen, die Tür gehöre seinem Nachbarn).
Gemeint war wohl die "Schwarze Sonne", wie sie in der Wewelsburg zu finden ist (z.B. bei Wikipedia gibt's dazu ein Bild).
Man vergleiche einmal die beiden Bilder (das Foto auf secret.tv und das Bild auf Wikipedia. Leider kann man hier ja keine Bilder hochladen, sonst hätte ich eine direkte Gegenüberstellung hier reingestellt)!
Ihre Behauptung kann ich demzufolge nicht nachvollziehen! Die schwarze Sonne hat zwölf Achsen, das Rad an der Tür nur acht! Zudem fehlt der ganze äußere Teil!
Ich möchte Ihnen ja nichts unterstellen!!! Aber es entsteht bei mir der Eindruck von entweder schlechter Recherche oder absichtlicher Falschdarstellung. Zumindest bietet ihr Artikel sehr viel Angriffsfläche - meines Erachtens nicht weniger, als secret.tv mit seinen teilweise(!!!) naiven und schlecht recherchierten Inhalten (aber ich habe dort auch schon sehr gute Beiträge gefunden).
Von einer seriösen Tageszeitung erwarte ich jedenfalls etwas Anderes! Ich möchte Sie also ermutigen, demnächst etwas "sauberer" und vor Allem differenzierter zu arbeiten. ;)
Zudem kann man auf secret.tv die Fragen von SZ an Jan Udo Holey nachlesen. Entschuldigung, aber bei einer solchen Arroganz hätten wohl die Meisten das Interview abgesagt.
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