Am Nullpunkt der Einsamkeit: Wem gehört der Körper? Es gibt Menschen, die sich für mehr als 10.000 Dollar gesunde Gliedmaßen amputieren lassen, um "vollständig leben zu können". Die Debatte über das Recht auf Selbstverstümmelung ist nun auch in Deutschland angekommen.
Sie basteln sich Guillotinen, greifen zum Gewehr, zur Säge, legen sich auf Bahngleise, hüllen ihr Bein in Trockeneis, provozieren Verkehrsunfälle, schauen dem Blut freudig hinterher. Sie fliegen nach Mexiko oder auf die Philippinen, bezahlen 10 000 Dollar, hoffen, dass der Chirurg sein Handwerk versteht. Sie nennen sich ¸¸Rollstuhl_jetzt" oder ¸¸Rollstuhl05" und tauschen ihre Tipps und Tricks, ihr Leid und ihre Euphorie im Internet aus. Und alles, damit ein neues Leben beginne, ein Leben ohne diesen verhassten Arm, dieses Bein, das nicht zu ihnen gehört. Sie wollen einen Körper schaffen nach dem Bilde, das sie in sich tragen, dem Bild eines amputierten Menschen. Längst hat die Wissenschaft sich ihrer angenommen, und nun drängen sie auch in die deutsche Debattenöffentlichkeit: Männer und Frauen mit BIID-Syndrom, gestörter Körperwahrnehmung, ¸¸Body Integrity Identity Disorder".
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Als ¸¸RTL2" Anfang November seine Reportage ¸¸Das Experiment - 30 Tage im Rollstuhl" ausstrahlte, dürften wenige Zuschauer geahnt haben, dass die Hauptperson, ein Student, sich jener Belastung unterzog, die manchen BIID-lern als höchstes Glück erscheint. Der Student ließ seine Beine mit einem Band fixieren und bewegte sich rollend durch das gewohnte Umfeld. Hätte ein innerer Zwang statt Neugier ihn ergriffen, dann hätte er so eine wichtige Stufe auf dem Weg zum ¸¸Amputee-by-choice" erklommen: das ¸¸Pretending", das So-tun-als-ob, geht dem chirurgischen Eingriff voraus. Einen solchen streben weltweit wohl mehrere tausend Menschen an.
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Brasiliens Präsidentin Roussef