Politik zu schmutzig, die Beatles zu unseriös: Zum 90. Geburtstag des Sitar-Virtuosen Ravi Shankar, der indische Musik weltberühmt machte.
Vor langer Zeit, als die Achtundsechziger zwanzig waren, wehte ein unerwartet farbiger Klang durch das graue London der Bowler Hats, der Pfeife rauchenden Gentlemen, etwas, das sich wie Bienensummen ausnahm, wie Blumenduft.
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Er hielt die Beatles für unseriös, spielte aber trotzdem für sie: Ravi Shankar, hier auf einem Konzert in London, 2008. (© Foto: afp)
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"Ein Konzert mit indischer Musik, Mann . . ."
"Wer tritt auf?"
"Ein gewisser Rabbi. . . ? Rabbi Schanker? Ein jüdischer Musikant? Ich weiß nicht, ob Du von ihm gehört hast, Mann, alle hören zurzeit diesen Sitarspieler. George Harrison wird wahrscheinlich da sein und Tariq Ali und Peter Sellers, die stehen alle auf Tantra, das ist die angesagte Philosophie, Mann."
In einer Ecke des Raumes im ersten Stock einer Wohnung in Soho ist ein aus Brettern gezimmertes Podium aufgebaut worden. Die Hörer sitzen auf dem harten Parkett-Fußboden, auf der Bühne steht eine Blumenvase mit welken Tagetes, ein Räucherstäbchenhalter aus Messing, von dem aus sich blumig-süßer Rauch ausbreitet und den Raum zu füllen beginnt. Die Zuhörer, überwiegend jüngere Europäer in bunten Hemden - von ihnen fälschlicherweise gern "Kaftan" genannt - harren andächtig des Nachmittagskonzertes.
Einige dunkelhäutige Asiaten - Inder oder Pakistani - tragen dunkle Anzüge, dazu weißes Hemd und Krawatte. Der Sitar-Spieler begrüßt die Anwesenden wie alte Freunde: "Frends! Ampleng di Indian long naked lute, vicall siddaar. Ampleng one of deemost beautiful Indian melodies."
In die folgende Stille hinein beginnen nun zwei kleine Inder auf den exotischen Instrumenten zu musizieren. Der Sitar-Spieler im gelben, blumenbestickten Hemd aus Kunstseide und in weißen, engen Baumwollhosen sowie der mondgesichtige Perkussionist sitzen im Schneidersitz hinter ihren Instrumenten. Mit qualvoller und kraftloser Langsamkeit setzt der Lautist an, vage und diffuse musikalische Äußerungen zu produzieren, die von den Indern mit Kopfschütteln und verhaltenem Grunzen quittiert werden. Zeit wird lang.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum Ravi Shankar trotzdem zum Star wurde.
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Musik mit viel Seele und kosmischer Wahrheit.
Ihr Artikel hat mir gut gefallen.Zu erwähnen wäre noch, daß Ravi Shankar eine Tochter hat, die auch sehr gut Sitar spielt. Auch Norah Jones ist seine Tochter. Aber ich glaube schon, daß er seine Berühmtheit vor allem auch George Harrison zu verdanken hat, der diese Musik im Westen bekannt gemacht hat.