Rassismus-Debatte um "Django Unchained" Warum Tarantino Sklaverei und Holocaust vergleicht

"Das wird Ihnen als Deutsche seltsam vorkommen": Regisseur Tarantino mit Schauspieler Jamie Foxx bei der "Django Unchained"-Premiere in Berlin.

(Foto: Getty Images for Sony Pictures)

Holocaust-Vergleiche klingen für deutsche Ohren immer anstößig. "Django Unchained"-Regisseur Quentin Tarantino zieht trotzdem einen und bezeichnet die Sklaverei in Amerika als ebensolchen. Zwar kann er das ordentlich begründen - Kritik hagelt es trotzdem.

Von Susan Vahabzadeh

Als Quentin Tarantino am Dienstag in Berlin seinen neuen Film "Django Unchained" vorstellte, in dem Jamie Foxx einen entlaufenen Sklaven spielt, wurde er gefragt, ob man die Sklaverei in Amerika mit dem Holocaust vergleichen könne. Und Tarantino antwortete mit Ja. Die Frage war vielleicht ein wenig provozierend gemeint, weil Holocaust-Vergleiche für deutsche Ohren immer anstößig klingen. Tarantino hat aber ganz ordentlich geantwortet: "Amerika ist für zwei Holocausts in seinem Land verantwortlich: für die Ausrottung der indianischen Ureinwohner und für die Versklavung von Afrikanern, Jamaikanern und Westindern in der Zeit des Sklavenhandels." Nur sei das in den USA halt ein Thema, an dem man vorbeikommt - es gebe, so Tarantino, ja kaum Filme darüber.

"Das wird Ihnen als Deutsche seltsam vorkommen", so Tarantino. "Sie sind alle gezwungen worden, sich bis zur Bewusstlosigkeit immer und immer und immer wieder mit der Schuld Ihres Volkes auseinanderzusetzen. Den Amerikanern ist es gelungen, irgendwie darüber hinwegzugleiten." In den USA tut man sich leichter mit dem Begriff. So gibt es alleine zwei anerkannt seriöse Bücher über die Eroberung Nordamerikas, die den Holocaust im Titel führen: David E. Stannards "American Holocaust" und Russell Thorntons "American Indian Holocaust and Survival". Auch der Terminus "African Holocaust" ist im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel durchaus gebräuchlich.

Tarantino hat aber auch deswegen so argumentiert, um sich aus einem anderen Schussfeld hinauszumanövrieren. Zwei Wochen zuvor hatte ihn der Kollege Spike Lee für "Django Unchained" auf Twitter kritisiert. Die Einordnung war somit regelrecht eingefordert worden. "American slavery was not a Sergio Leone Spaghetti Western. It was a Holocaust", lautete der Tweet. Und Lee legte nach, er werde sich den Film nicht ansehen, denn Tarantino gehe "respektlos mit meinen Vorfahren um".

Spike Lee hatte Tarantino schon auf dem Kieker, seit dessen Blaxploitation-Hommage "Jackie Brown" 1997 ins Kino kam. Damals hat Lee gezählt, wie oft in diesem Film das Wort "Nigger" fiel, und er fand, der Gebrauch dieses Ausdrucks stehe Tarantino auch dann nicht zu, wenn der Film die Kultur der Schwarzen feiert. Tarantino, wetterte Lee damals, "wolle wohl Schwarzer ehrenhalber" werden. Er dürfe jede Filmfigur schreiben, die ihm gefalle, wetterte Tarantino zurück. Als nun "Django Unchained" fertig war, antwortete Tarantino auf den Vorwurf, der Film sei brutal genug, um echte Gewalt zu befeuern: "Hört doch auf, es ist doch nur ein Western." Prompt reagierte Spike Lee.

Am Dienstag in Berlin legte Tarantino dann doch Wert darauf, dass "Django Unchained" - für fünf Golden Globes nominiert und durchaus auch ein Oscar-Kandidat - mehr ist als nur ein Western, eine Abenteuergeschichte zwar, aber "sie sollte vor dem Hintergrund der Sklaverei spielen, damit man die Brutalität wirklich sieht, mit der Amerikaner ihre schwarzen Sklaven behandelt haben".

Tarantinos Partisanen in "Inglourious Basterds" vor drei Jahren jagten Nazis, da ging es um diesen Holocaust, und so wüst und fiktiv sein Umgang mit Historie darin manchmal war, man konnte eine ungeheuere Wut über das Dritte Reich in diesem Film spüren, und ein tiefes Vertrauen darin, dass Filme mehr sind als nur Unterhaltung.