Rafik Schami "Islamophobie ist der salonfähige Antisemitismus"

"Ein Araber ist gut, wenn er dreitausend Kilometer entfernt ist": Rafik Schami attackiert andere Intellektuelle.

(Foto: dpa)

Der syrisch-deutsche Autor Rafik Schami wirft deutschen Intellektuellen vor, Hass auf den Islam zu schüren. Sloterdijk und Safranski seien zu feige, sich mit der arabischen Kultur auseinanderzusetzen.

Der Kampf der Intellektuellen geht weiter. Kaum dachte man, nach dem Repliken-Duell Sloterdijk versus Münkler hätten sich die Gemüter beruhigt, feuert eine weitere prominente Stimme die Debatte wieder an. Der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami wirft anderen deutschen Intellektuellen vor, in der Flüchtlingsdebatte Hass auf den Islam zu schüren. "Die Islamophobie ist der salonfähige Antisemitismus", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Schami war 1971 aus Syrien ins Exil nach Deutschland gegangen. Heute gehört er mit seinen Romanen zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren.

In den vergangenen Monaten hatten intellektuelle Wortführer die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin scharf angegriffen. Philosoph Rüdiger Safranski warf der Bundesregierung in der Schweizer Weltwoche "Unreife, Naivität und Weltfremdheit" vor; Peter Sloterdijk kritisierte im Cicero, die deutsche Regierung habe sich "in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben"; Büchner-Preisträger Reinhard Jirgl widmete einen Essay den "Arglosen im Inland", also den ahnungslosen Deutschen; Botho Strauß prangerte die "Flutung des Landes mit Fremden" an (mehr dazu lesen Sie hier mit SZ Plus).

Gegen diese Intellektuellen richtet sich Schamis Attacke. Es klinge lächerlich, wenn "diese Hasser" die Sorge um die jüdischen Mitbürger als Grund für ihre Verachtung der Muslime in diesem Land angeben würden. 40 Jahre seines Lebens im Exil bemühe er sich gemeinsam mit jüdischen und arabischen Freunden, Palästinenser und Israelis zu versöhnen. Nie sei einer der genannten Intellektuellen "auch nur in Sichtweite" anzutreffen gewesen.

Schami geht noch weiter: Aus den Kreisen der genannten Intellektuellen sei ihm über Jahrzehnte hinweg Feindseligkeit entgegengeschlagen. Das führt er auf die "Feigheit dieser Herren" zurück, sich mit ihren eigenen Klischeebildern über die arabische Kultur auseinanderzusetzen. "Ein Araber ist gut, wenn er dreitausend Kilometer entfernt ist, und höchstens, wenn er die Herren oder ihre Vorurteile bedient, aber nicht, wenn er sich hier in ihrer Sprache zu Wort meldet oder auch noch kritisiert."

Anders als die Ziele seiner Kritik warnt Schami vor Hysterie angesichts der Flüchtlinge, die nach Europa kommen. "Über 700 Millionen Europäer haben Angst vor zwei Millionen Flüchtlingen, während elf Millionen Jordanier und Libanesen - allein im Stich gelassen - bisher circa drei Millionen Flüchtlinge beherbergten." Zerbrechen werde die EU daran nicht. Allerdings könnte sich eine politische Mehrheit gegen Deutschland bilden, wenn es der Regierung nicht gelinge, schnell und dauerhaft Verbündete zu gewinnen.

Zehn Erwartungen an die Flüchtlinge

Mit einem Zehn-Punkte-Katalog an Erwartungen wendet sich der Schriftsteller direkt an die Flüchtlinge. Vor allem plädiert er darin für Dankbarkeit, Achtung und Respekt vor dem "christlichen Abendland" mit seinen Freiheiten, Werten und Gesetzen. Die Diskussionen darüber "müssen wir wieder an uns reißen und nicht den Populisten und Menschenhassern überlassen". Flüchtlinge müssten die Gleichheit von Mann und Frau ebenso achten wie die Rechte von Homosexuellen. Sie sollten aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und für die Beseitigung der Fluchtursachen in ihren Heimatländern kämpfen.

Besonders hebt Schami in seinem Appell die ehrenamtlichen Helfer hervor. Dankbarkeit für die Aufnahme in Deutschland bestehe nicht darin, "unterwürfig und schleimig gegenüber den Deutschen zu sein, um insgeheim rassistisch über sie zu denken", sondern vor allem darin, Respekt vor Helferinnen und Helfern zu haben. "Diese tapferen Frauen und Männer sind ein Garant für die Flüchtlinge gegen die Rassisten und Populisten."

Früher waren Intellektuellen-Debatten nicht besser

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Mit Material der Agenturen