Von M. Zydra

Entsetztes Lachen im Gerichtssaal: Der Leiter der Innenrevision des Hessischen Rundfunks sagt über die Machenschaften des Ex-Sportchefs Jürgen Emig aus.

Die Innenrevision des Hessischen Rundfunks (HR) hat erst nach dem Rücktritt von Jürgen Emig als HR-Sportchef im März 2004 Hinweise auf dessen unsaubere Geschäfte entdeckt. HR-Intendant Helmut Reitze hatte zwar schon im Juni 2003 einen Prüfungsauftrag erteilt. "Ich sollte klären, ob im Fall Emig Vetternwirtschaft vorliegt", sagte der Leiter der HR-Revision Klaus Stoffer am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt.

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Muss tief in den Geldkoffer greifen: Laut eigenen Angaben belaufen sich Emigs Anwaltskosten bisher auf etwa 200 000 Euro. (© Foto: dpa)

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"Dafür gab es aber damals keine Anhaltspunkte", so der Zeuge. Das habe er Reitze mündlich mitgeteilt. Die Prüfung im Sommer 2003 habe ergeben, dass es "plausible Gründe" für eine Zusammenarbeit mit SMP gab. Der schriftliche Abschlussbericht wurde erst zum 31.März 2004 fertig. "Es gab wichtigere Aufgaben wie den Aufbau des HR 4-Studios in Kassel", erklärte der 55-Jährige.

Kurioserweise hat Stoffer just am 31.März 2004 ein Gespräch mit dem Triathlon-Veranstalter Kurt Denk geführt, der ihm auch die mit SMP geschlossenen Verträge gezeigt habe. Dabei sei eine erhebliche Differenz der Zahlungen deutlich geworden. Den Ratschlag, Denk zu befragen, habe der HR-Sportredakteur Werner Damm gegeben.

Stoffer sollte 2003 im Auftrag Reitzes prüfen, ob die Agentur Killinger Production, die Emigs Ehefrau gehörte, und die Agentur SMP bei der Vergabe von Aufträgen für die Sponsorengewinnung durch den HR begünstigt wurden. SMP war eine Tarnfirma, bei der Emigs Ehefrau Atlanta Killinger stille Teilhaberin war. Es gab im Frühjahr 2003 Medienberichte über Emigs Geschäfte.

Stoffer berichtete, dass er SMP-Geschäftsführer Harald Frahm getroffen habe, ohne Beistellungsverträge einzusehen. "Angesichts der Medienberichte hätte man doch misstrauisch werden können", sagte der Vorsitzende Richter Christopher Erhard. "Das kam mir nicht in den Sinn", sagte Stoffer. "Herr Frahm hat mir beim Abschied versichert, dass er kein Strohmann sei", sagte Stoffer. Der Angeklagte Frahm kommentierte die Aussage mit heftigem Kopfschütteln und entsetztem Lachen.

Jürgen Emig äußerte sich dann zu seinen persönlichen Finanzen. Seit der Verhaftung 2005 seien etwa 200 000 Euro allein für Anwaltskosten angefallen. Bis August 2007 habe er Arbeitslosenunterstützung erhalten. Seitdem lebe seine Familie vor allem von der Unterstützung durch Freunde. 2000 bis 2003 hatte er etwa 30 000 Euro auf einem Konto in Liechtenstein versteckt, dies aber den Finanzbehörden mitgeteilt und die Summe beglichen. Sein Haus sei mit 1,1 Millionen Euro beliehen.

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(SZ vom 17.09.2008/sst)