Protestbrief Mehr als 500 deutschsprachige Schriftsteller gegen Amazon

Nach dem Protest von mehr als 900 US-Schriftstellern wie Stephen King kritisieren nun auch deutschsprachige Schriftsteller die Geschäftsmethoden von Amazon. In einem offenen Brief beklagen die prominenten Unterzeichner "Manipulation" und "Falschaussagen".

  • In einem offenen Protestbrief haben mehr als 500 deutsche Schriftsteller das US-Internetkaufhaus Amazon wegen dessen Geschäftsmethoden kritisiert.
  • "Amazon manipuliert Empfehlungslisten", schreiben die Schriftsteller.
  • Zu den Unterzeichnern gehören Ingrid Noll, Nele Neuhaus, Eva Rossmann und Elfriede Jelinek.
  • Der Brief folgt auf den Protest von mehr als 900 US-Schriftstellern wie Stephen King oder John Grisham.

Wer protestiert

Zuerst war von 100 deutschsprachigen Schriftstellern die Rede, doch die Zahl ist weiter gewachsen: Bereits mehr als 550 Autoren haben inzwischen ein Protestschreiben an das US-Internetkaufhaus Amazon unterzeichnet. Sie kritisieren dessen Geschäftsmethoden. In dem Brief an Amazon-Chef Jeff Bezos heißt es: "Amazon manipuliert Empfehlungslisten. Amazon nimmt Autoren und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen."

Das Schreiben war am Freitag veröffentlicht worden - früher als erwartet, angekündigt war es für Anfang nächster Woche. Gefordert wird darin ein "fairer Buchmarkt". Die Unterzeichner werfen Amazon unter anderem vor, Bücher bestimmter Verlage verlangsamt auszuliefern, um höhere Rabatte durchzusetzen.

Zu den Erstunterzeichnern gehören Schriftsteller wie Ingrid Noll, Nele Neuhaus, Eva Rossmann und "Tatort"-Autor Fred Breinersdorfer, ebenfalls unterzeichnet haben unter anderem Ulrich Wickert, Juli Zeh, Günter Wallraff, die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und die Schriftsteller F.C. Delius, Sten Nadolny und Uwe Timm. Organisiert wird die Aktion unter anderem vom PEN Zentrum Deutschland und vom Verband deutscher Schriftsteller.

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Was die Autoren genau beklagen

Nach Darstellung der Unterzeichnenden werden bestimmte Autoren und Autorinnen "boykottiert", ihre Bücher seien nicht auf Lager, selbst wenn es sich um gängige Werke handele. Über die Lieferbarkeit fänden sich Falschaussagen, heißt es in dem Schreiben weiter.

Betroffen seien Verlage, die sich gegen die Rabattforderungen von Amazon wehren. Das gilt insbesondere für die Bonnier-Gruppe, zu der unter anderem die Verlage Piper und Ullstein gehören. Zu den Druckmitteln von Amazon gehört den Organisatoren des Protests zufolge, Bücher bestimmter Autoren nur mit Verzögerung auszuliefern und diese von Empfehlungslisten ("Kunden haben auch gekauft/angesehen") zu streichen, womit diese quasi "unsichtbar" würden.

"Wir Autorinnen und Autoren sind der Meinung, dass kein Buchverkäufer den Verkauf von Büchern behindern oder gar Kunden vom Kauf von Büchern abhalten sollte", schreiben die Verfasser. Der Brief richtet sich direkt an die Leserinnen und Leser. Sie werden aufgefordert, sich ebenfalls an Amazon-Chef Bezos und den Chef von Amazon Deutschland, Ralf Kleber, zu wenden und sich zu beschweren.

Protest von mehr als 900 US-Schriftstellern

Der Protestbrief der deutschsprachigen Schriftsteller folgt auf den Protest von mehr als 900 US-Schriftstellern wie Stephen King oder John Grisham, die das Vorgehen von Amazon im Streit um E-Book-Preise kritisiert hatten. Amazon verweist darauf, dass Bücher billiger werden müssten, da sie mit anderen Medien in Konkurrenz stünden. Zum Protest der deutschsprachigen Schriftsteller lag von Seiten Amazons zunächst keine Stellungnahme vor.