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Die Trontheim Voices kommen wieder zum "Leuchtturm"-Projekt. Schon 2016 waren sie mit dem Stück "Space Unfolding" in der Whitebox zu Gast.

(Foto: Ralf Dombrowski)

Die Whitebox im Werksviertel als Bindeglied zwischen U- und E-Kultur

Von Evelyn Vogel

Dass auf dem ehemaligen Pfanni-Produktionsgelände hinter dem Ostbahnhof, das seit geraumer Zeit unter dem Namen Werksviertel firmiert, etwas Neues entsteht, ist mittlerweile bis zu den meisten Münchnern durchgedrungen. Und doch erntet man gelegentlich erstaunte Blicke, wenn man erwähnt, dass dort, wo in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten die Party-Szene im Kunstpark Ost und der Kultfabrik tobte, alsbald der neue Münchner Konzertsaal gebaut werden soll. Oft nicht weniger erstaunt sind die Blicke, nach dem Hinweis, dass die sogenannte Hochkultur dann in schöner Eintracht mit der Populärkultur wie Performances, Festivals, Musicals, Workshops, Konzerten und Kunst von der Street-Art bis zur Konzeptkunst existieren soll. Wobei letzteres jenen Besuchern, die das Werksviertel an der Container-City vorbei erstmals betreten, noch mehr einzuleuchten scheint, als jenen, die das Viertel nur über die Debatte zum Konzertsaal und damit seltener aus eigenem Erleben kennen.

Insofern war der Saisonauftakt der Whitebox mit den streckenweise etwas elegischen, aber doch höchst spannenden Eis-Konzerten des norwegischen Musikers Terje Insungset, dem Familienfest und den offenen Ateliertagen durchaus typisch. In der dritten Saison verspricht die Whitebox, die sich als "Raum für Entfaltung" versteht, ein noch vielfältigeres und sich zum Stadtraum hin noch weiter öffnendes Programm als bisher.

Muss sie auch. Denn dass das Werksviertel durchaus noch stärker als urbaner Teil der Stadt wahrgenommen werden sollte, um Vorbehalte gegenüber den zukünftigen Plänen abzubauen, ist nicht zu leugnen. Und in dieser Hinsicht agiert die Whitebox schon jetzt als Bindeglied zwischen U- und E-Kultur. Mit ihrem diesjährigen Programm und den Kooperationspartnern scheint sie durchaus in der Lage, ein zukünftiges Konzerthaus-Klientel ebenso anzulocken wie dem ehemaligen Partyvolk ein neues kulturelles Angebot zu machen.

Ende Januar startet das Projekt "Inventarium". Ein Graffiti-Museum, das die Zeichen im Stadtraum sammelt und in der Whitebox in eine Ausstellung übersetzt. Stefan Reuter und Jo Preußler ziehen dafür als Artist in Residence ins Gastatelier. Fortgesetzt werden das Familienprojekt "Klangfarben", unter anderem im März mit dem Workshop "Till Eulenspiegels lustige Streiche", und die Ausstellungsreihe "Homegrown" mit Künstlern aus den hauseigenen Ateliers. Im Juli beispielsweise mit dem Pietà-Projekt von Kristin Brunner. Weitere Kunstprojekte sind: "Fleisch und Stein vol. 2" im April und Mai, "Game Art" im Juni und Juli und "About Guatemala" im September und Oktober, hierbei ist Naufus Ramirez-Figuera als Artist in Residence eingeladen. Gastkünstler sind auch Karin Apollonia Müller mit ihrem Projekt "Evolutionary Magic", einer Kooperation mit der Fraunhofer Gesellschaft, und Lia Sáile, die bei ihrem Projekt "Eastern Munich" mit der Hochschule für Philosophie kooperiert.

Überhaupt die Kooperationen. Die Liste ist beeindruckend lang. Neben den schon genannten finden sich als Partner unter anderem das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das in Zukunft ja direkter Nachbar im Konzertsaal sein wird, und die Musiktheater Biennale, die im Juni mit einer "Privatsache" die Whitebox bespielt. Außerdem dabei: das Münchner Kammerorchester und der ARD-Musikwettbewerb ebenso wie die Trondheim Voices aus Norwegen und die Hochschule der Künste aus Bern in der Schweiz. Außerdem kooperiert die Whitebox mit dem Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft, der Kulturpolitischen Gesellschaft sowie SoNet, dem Sozialen Netzwerk München. Und erstmals wird auf Grund der Kooperation mit "Schamrock" das Festival der Dichterinnen im Oktober in der Whitebox stattfinden. Am 18. Mai veranstaltet Schamrock im Rahmen des Faust-Festivals dort zudem einen "Gretchen-Salon".

Ebenfalls im Rahmen des Faust-Festivals findet am 16. Juni die Uraufführung der Komposition "Leuchtturm" von Manuela Kerer mit dem Münchner Kammerorchester und den Trondheim Voices statt. Die Raum-Klang-Installation wurde für das Werk 3 konzipiert. Das Publikum bewegt sich wie in einem Wandelkonzert durch das Gebäude und gelangt am Ende auf das Dach des Werk 3, wo der Epilog unter freiem Himmel stattfindet. Und weil das Dach durchaus zu noch mehr Spektakel taugt, ist für Januar 2019 ein mehrtägiges Eismusik-Festival von Terje Insungset dort geplant. Beste Ausschichten also, um das Werksviertel durch eigene Anschauung kennen zu lernen.