Von Franz Baden

Im Zeitschriftenhaus Condé Nast tritt, Knall auf Fall, Top-Manager Bernd Runge zurück. Er war ein Mann für Glamour.

Die "persönliche Erklärung" ist großangelegt wie die Erklärung eines unter Druck stehenden Politikers. Andererseits ist sie farbig geschrieben wie ein Besinnungsaufsatz im Lifestyle-Magazin. Auf jeden Fall liegt der Höhepunkt schon im zweiten Satz: "Deshalb habe ich beschlossen, nach elf Jahren ... zurückzutreten."

bernd runge condé nast

Tritt zurück: Bernd Runge. (© Foto: Condé Nast)

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So scheidet ein Manager aus dem Amt, der im deutschen Zeitschriftenwesen zeitweise als Großwesir der Kreativität galt: Bernd Runge. Im internationalen Verlag Condé Nast gibt er seine Ämter als Deutschland-Chef und Vice President Condé Nast International auf.

Es scheidet ein Karrieretyp, der den Sprung aus der Kaderwirtschaft der DDR in die Leistungswelt des Kapitalismus mit Leichtigkeit schaffte. Runge, einst Korrespondent der DDR-Nachrichtenagentur ADN in Budapest, nutzte seine osteuropäischen Kontakte zuerst für die Hamburger Verlage Gruner + Jahr und Jahreszeiten, ehe er dann bei Condé Nast aufschlug.

Mit der russischen Ausgabe von Vogue begann sein Glück in dem Imperium der Newhouse-Brüder. Er erschloss immer mehr Märkte, und durfte sich schließlich in Deutschland als Innovator feiern lassen. Mit Glamour, Myself und Vanity Fair glaubte er, große Spuren zu hinterlassen. Doch längst hat die sogennante Realwirtschaft auch die Journale des Schönen und des Scheins mit ihren deprimierenden Botschaften erreicht.

Der in der Branche stark angefeindete Runge hat alles überlebt: Spekulationen über eine IM-Tätigkeit in der DDR sowie Informationen über Geschäfte seiner Frau im Umfeld des eigenen Verlags. Die Familie Newhouse hielt zu ihrem Erfolgsmanager.

Nun sagt er, seine Entscheidung schon länger getroffen zu haben. "Es gibt Zeiten im Leben, in denen Innehalten, Reflektieren und das Suchen nach neuen Herausforderungen immer mehr an Bedeutung gewinnen", schreibt er. Und: "In all diesen Jahren verging jedoch nicht eine Woche, in der ich nicht in ein Flugzeug steigen musste oder ein neues Projekt in Angriff zu nehmen hatte."

Vielleicht also ist Bernd Runge einfach zu viel in der Weltgeschichte herumgeflogen und hat zu viel gemacht. Was mit seinen Titel-Erfindungen wird, steht auf einem anderen Blatt.

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(sueddeutsche.de/rus)