Prequel "Before Watchmen" Die Rückkehr der dunklen Ritter

Auch der latent psychopatische Rorschach ermittelt wieder in dem "Watchmen"-Prequel "Before Watchmen".

(Foto: Panini Comics)

Frevel oder Hommage? Der legendären Comicserie "Watchmen" von Alan Moore wird ein Prequel vorangestellt. Einiges gelingt in "Before Watchmen", aber die philosophische Reflexion, die die "Watchmen"-Serie so sehr ausgezeichnet hat, fehlt völlig.

Von Christoph Haas

Die USA in den späten Dreißigern. Die Folgen der Wirtschaftskrise sind noch nicht überwunden, ein neuer Krieg rückt näher. Das Land braucht Helden - und findet sie in den Comic Books. Inspiriert von Superman, Batman und ihren Freunden schlüpfen ein paar junge Männer und Frauen in bunte, hautenge Kostüme und nehmen ebenfalls das Gesetz in ihre Hände.

Sie nennen sich "Minutemen", und für ein paar Jahre sind sie nicht nur Superhelden, sondern auch von den Massen verehrte Stars. Dann ändert sich das gesellschaftliche Klima. 1977 werden alle Aktivitäten von Superhelden gesetzlich verboten. 1985 schließlich wird der berüchtigte Comedian unter rätselhaften Umständen ermordet. Nite Owl und Rorschach, zwei seiner ehemaligen Kollegen, wollen das Verbrechen aufklären und enthüllen ein Plan mit dem Ziel, in nächster Zeit die Apokalypse auszulösen.

Das ist die Geschichte von "Watchmen", der genialen, zwölf Hefte umfassenden Serie, die zwischen Oktober 1986 und Oktober 1987 veröffentlicht wurde. Wer daran gewöhnt war, Superhelden-Storys für infantil und regressiv zu halten, der rieb sich verblüfft die Augen. Der Autor Alan Moore und der Zeichner Dave Gibbons, beide Engländer, hatten in amerikanischem Auftrag ein Werk erschaffen, das mit den besten europäischen Comics gleichzog, sie sogar übertraf.

Was wäre, wenn es Superhelden tatsächlich gäbe?

"Watchmen" ist außerordentlich komplex, beruht im Grunde aber auf einem einfachen Gedankenspiel: Wie wäre es, wenn es Superhelden nicht nur auf dem Papier gäbe, sondern in unserer Wirklichkeit? Alan Moores Antwort ist ernüchternd. Die Helden in "Watchmen" sind zerrissene Menschen, die zu extremen Verhaltensweisen neigen und teilweise rechtsradikale Ansichten vertreten. Und die Welt, in der sie agieren, ist durch ihre Gegenwart alles andere als sicherer geworden.

In der Geschichte der Neunten Kunst nimmt "Watchmen" einen sehr hohen Rang ein; und die Wirkung, die bis heute von diesem Werk ausgeht, reicht weit über den Bereich der Superhelden hinaus. Wie sakrosankt "Watchmen" ist, lässt sich daran ermessen, dass der DC Verlag, obwohl er über die Rechte verfügt, vor einer Fortsetzung des Best- und Longsellers lange zurückscheute.

Im amerikanischen Comic-Geschäft, wo sonst jede Goldader bis zu ihrer Erschöpfung geplündert wird, will das etwas heißen! Nun ist es aber soweit: Mit "Before Watchmen" liegt - jetzt auch auf Deutsch - ein umfangreiches Prequel vor, das in mehreren Bänden die Vorgeschichte von "Watchmen" erzählt. Für viele Freunde des Originals ein Frevel. Als in den USA im vergangenen Jahr die Veröffentlichung begann, löste das eine Welle der Kritik aus.