Premiere Die Elbphilharmonie ist eröffnet

Bundespräsident Joachim Gauck lobt den Zauber ihrer Gegensätze. Bei Musikern zählt sie schon jetzt zu den begehrtesten Konzertsälen der Welt.

Von Reinhard J. Brembeck

Nach Jahren des Wartens und der Bau- und Finanzskandale ist sie jetzt endlich eröffnet. Schon bevor der erste Ton von Beethovens "Prometheus"-Ouvertüre erklang, hatte die Elbphilharmonie in Hamburg eine lange Geschichte - daran erinnerte Bundespräsident Joachim Gauck bei der Eröffnung am Mittwochabend: "Sie galt als Traum und als Albtraum, als Weltstar und als Witz, als Blamage und als Wunder." Sie lebe nun vom Zauber der Gegensätze, von der ästhetischen Spannung.

Sein Lob für die Hamburger und die Architekten Herzog & de Meuron verband er, nebst einem dezenten Hinweis auf die hohen Baukosten, mit einem präsidialen Auftrag: Es müsse gelingen, "auch Menschen zu erreichen, die bislang nicht in Konzerte gehen".

Die Akustik ist dann gut, wenn sie die Nuancen der Klänge liebevoll verstärkt

Längst hat sich der Kosename "Elphi" für dieses Riesenbaby im Hamburger Hafen eingebürgert - auch Gauck nennt sie schon so. Steht man davor, steigt der Blick voller Respekt in die Höhe. Ganz oben liegt der Kern des Gebäudes, der kesselförmig helle Konzertsaal mit mehr als 2000 Plätzen.

Er strahlt schon beim ersten Betreten eine unvergleichliche Wohlfühlatmosphäre aus. Seine immensen Außmaße werden dem Besucher kaum bewusst, vielmehr wirkt der Saal wie ein Wohnzimmer, das für klassische Musik gestaltet ist. Die Musiker, die hier geprobt haben, sind durchweg begeistert. Klassik- wie Popgrößen reißen sich jetzt schon darum, hier wenigstens einmal im Leben zu spielen. Für den Hamburger Opernchef Kent Nagano ist es der beste Saal der Welt.

Trotz solch eines Riesenlobes auf die Akustik kann die Realität etwas enttäuschen. Wer beim Festakt zur Eröffnung die Neuerfindung der klassischen Musik erwartet hat, bekommt ein gutes deutsches Stadtorchester zu hören.

Thomas Hengelbrock stürzt sich mit seinem NDR-Elbphilharmonie-Orchester in Beethovens "Prometheus"-Ouvertüre, mit Furor donnern die Akkordschläge - und bleiben doch brav. Stets ist der Klang kompakt und direkt, selbst in leisesten Passagen, während die Lautstärke nach oben gedeckelt wirkt. Die Streicher entwickeln kaum Schmelz, ihr Klang hat etwas Faseriges, die Tiefe wirkt verschattet. Holz- und vor allem Blechbläser sind dafür wundervoll und in überraschend vielen dunklen Nuancen präsent. Sie produzieren jenen geheimnisvollen Klang, der den Streichern fehlt.

Bei Mendelssohn und Brahms wird nach und nach deutlich, dass dieses Defizit nicht der Saalakustik anzulasten ist, sondern Hengelbrock und seinen Musikern. Aber das weiß jeder Konzertgänger: Selbst die beste Akustik kann aus einem Durchschnittsensemble nie und nimmer die Wiener Philharmoniker machen. Morgen mehr.

"Lieber für Kultur viel Geld ausgeben als für reiche Leute"

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