In diesem Jahr stand er mit Martina Gedeck in "Clara" vor der Kamera, einer europäischen Kinoproduktion über die Pianistin und siebenfache Mutter Clara Schumann, Gattin des Komponisten Robert Schumann. Nikolai Kinski verkörpert den jungen Robert, den reiferen spielt Pascal Greggory. Der Film (Buch und Regie: Helma Sanders-Brahms) soll im Frühjahr 2008 Premiere haben.

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Es läuft gut mit der Karriere in der neuen Sprache, im neuen Land. Nikolai Kinski findet es "aufregend" hier. Er sagt: "Im Vergleich zu Deutschland hat L.A. keine Kultur." Und der Broadway, der sei "total langweilig und kommerziell". Kinski genießt die "Freiheit", die ihm das Leben in Berlin gewährt, "die Freiheit, mir meine eigene Realität zu schaffen".

Er will sich jetzt aber nicht unter Druck setzen und nichts überstürzen, sondern sich erst mal ganz auf seine "Fieber"-Tournee konzentrieren ("eine sehr persönliche und heilige Sache"), die ihn fast ohne jede Unterbrechung in 37 Städte führt - am 12. und 13. Oktober auch nach Frankfurt zur Buchmesse, wo alles begann. Denn als Kinski dort letztes Jahr von Suhrkamp zu einer Lesung gebeten wurde, merkte er erst, wie sehr die Gedichte seines Vaters "nach Ausdruck verlangen, nach Unmittelbarkeit im gesprochenen Wort". Er war unzufrieden mit seinem Vortrag, "ich wollte das weitertreiben, besser machen". Also habe er sich zwei Monate lang eingeschlossen und alles auswendig gelernt.

Wieder heraus kam ein Sohn, der in den Versen nicht nur die ekstatischen Leiden und Freuden, sondern auch die unverhohlene Todessehnsucht seines Vaters kennen gelernt hat. Nikolai vermutet, "dass die Gedichte ihn damals wohl am Leben gehalten haben". Er sagt: "Mir gefällt das Paradoxe daran: dass der literarische Selbstmord vielleicht den echten verhindert hat. Damit rezitiere ich sozusagen mein Geburtsrecht."

Der Schauspieler nimmt, während er solcherart spricht, einen tiefen Zug aus seiner Manitou-Zigarette und blickt so ernst und tiefdunkel drein, dass man ihn am liebsten ein wenig aufmuntern möchte. Aber er ist gar nicht traurig. Er hat nur diese leise, ernsthafte Art. "Mein Vater", räsonniert er, "hat diese Gedichte geschrieben, als er noch gar nicht mein Vater war und fünf Jahre jünger als ich heute." Wer, fragt der Sohn, könne seinen Vater schon auf solche Weise kennen lernen? "Er legt seine Seele nackt auf den Tisch und lässt sie frieren" - solche Sätze gehen Nikolai Kinski wunderleicht von den Lippen. Außerdem findet er: "Die Reime sind ganz großes Tennis!"

In seinem autobiographischen Buch "Ich brauche Liebe" richtet Klaus Kinski an seinen Sohn die Zeilen: "Die Menschen werden von mir sagen, dass ich tot bin. Glaube ihnen nicht! Sie lügen! Ich kann niemals sterben."

Es ist der Sohn, der jetzt an Kinskis Unsterblichkeit weiterarbeitet, aber nicht nur als der Diener seines Herren, sondern schon auch in eigener Mission. Am Ende seines Rezitationsabends bringt sich Nikolai Kinski ganz bewusst selbst in Position. Und zwar mit den Worten Heiner Müllers: "Ich bin der Engel der Verzweiflung /... Ich bin das Messer mit dem der Tote seinen Sarg aufsprengt. / Ich bin der sein wird. / Mein Flug ist der Aufstand, mein Himmel der Abgrund von morgen."

Nikolai Kinski tritt am 15.10. im Theaterhaus Stuttgart und am 18.10. im Tipi-Zelt Berlin auf.

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