Hat er es geschafft?

Anzeige

"Oh, non", sagt er, so als sei diese Frage ganz abwegig. "Ich habe immer Extreme gespielt, aber das ist ziemlich leicht." Er würde lieber einfache Menschen spielen, so wie jetzt den Ponton. Er will die alltäglichen Geschichten erzählen. Aber kein Regisseur besetzt einen harten Hund für die Rolle eines Softies.

"Im Moment schreibe ich die Geschichte meines Lebens", sagt Jean Reno. Und das ist natürlich die Story des Jungen aus einfachen Verhältnissen, der es von Casablanca nach Hollywood geschafft hat. Es soll ein Ein-Mann-Stück werden über das Schicksal von Einwanderern in Europa. Reno, das ist offenkundig, will noch einmal wissen, wie alles angefangen hat bei ihm.

Zwischen Glamoursucht und einfachem Leben

Dabei kannte man Jean Reno in den letzten Jahren als einen, der durchaus pokerte. Er drehte Werbespots für französische Brillen und machte Reklame für japanische Zigaretten. Wie viele andere Filmstars kaufte er Anteile an Restaurants in Paris und New York und trat im Fernsehen mit dem Rock-Dinosaurier und französischen Nationalhelden Johnny Halliday auf, den er zu seiner "Familie" zählt. Seine dritte Hochzeit mit dem jüngeren Model Zofia Borucka zelebrierte er vor zwei Jahren in der südfranzösischen Gemeinde Les-Beaux-de-Provence, der damalige Innenminister Nicolas Sarkozy war sein Trauzeuge. Die Gästeliste hätte auch für ein Staatsbankett herhalten können. Jean Reno fühlt sich wohl in dieser hochgetunten Welt, er wollte immer dort hin, vielleicht auch, weil sich der Widerspruch zwischen Glamoursucht und einfachem Leben ganz hübsch inszenieren lässt?

"Ich stehe zwischen diesen beiden Welten", sagt Jean Reno, und es ist überraschend, wie bereitwillig er das tut: Casablanca, Madrid, Paris, Berlin, Los Angeles, alles ist seins. "Ich bin ein Millefeuille", sagt er. "Tausend Blätter", so heißt ein französisches Blätterteiggebäck.

Er hält sich jetzt immer öfter auf seinem französischen Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert auf, wo er mit seiner Frau und seinem jungen Sohn lebt und Olivenbäume züchtet. Der Sohn ist ein Jahr alt, sechs Jahrzehnte jünger als sein Vater, der natürlich kalkuliert, ob er mit dem Jungen noch Fußballspielen kann. Ob die Lebenszeit noch reicht für diese eine Szene: Ein Vater, der mit seinem Sohn kickt. Das wäre immerhin: die einfachste Geschichte der Welt.

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. Jetzt bitte alltäglich
  2. Jetzt bitte alltäglich
  3. Sie lesen jetzt Jetzt bitte alltäglich
Leser empfehlen 

(SZvW vom 07./08.03.2009/irup)