Es gefällt ihm, dass die Branche in diesen Tagen nach Köln blickt. Neven DuMont genießt öffentliche Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt zu stehen, Beifall zu bekommen oder Reibung zu erzeugen, ist gewissermaßen die Lebensrolle des einstigen Schauspielers auf Münchner Bühnen. Den musischen Enkel des Malers Franz von Lenbach, der in Bayerns Metropole Philosophie, Geschichte und Literatur studiert hatte und an den Kammerspielen Regieassistent des großen Theatermannes Hans Schweikart war, drängte es seinerzeit keineswegs heim. Seine Geburtsstadt Köln erschien ihm so provinziell wie der von Vater Kurt herausgegebene Stadt-Anzeiger.
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Nach einem Journalistik-Studium in Chicago und dem Verlagseintritt 1953 hat Neven DuMont einiges dazu beigetragen, dass sich Köln im reaktionären Klima der Adenauer-Republik allmählich zur weltoffenen Stadt entwickelte. Konsequent erneuerte er das "rechtsliberale, fürchterlich altmodische, grauenhafte" Blatt, setzte beim eher zögerlichen Vater die Trennung vom Chefredakteur durch und holte junge Journalisten in die Redaktion, mit denen er seine Vision von einer erfolgreichen liberalen Zeitung verwirklichte.
Meinungsstark
"Gegen den Muff von CDU, gegen die Gewerkschaftsbonzen der SPD, für die Freiheit der Presse", erinnert sich der Schriftsteller Hans Werner Kettenbach, ehemals stellvertretender Chefredakteur des Stadt-Anzeigers. Einen politischen Verleger, der "mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält", nannte ihn Kanzlerin Angela Merkel in der Festrede zum achtzigsten Geburtstag. Neven DuMont ist FDP-Sympathisant, "aber die Partei von Herrn Westerwelle ist nicht unbedingt meine".
Ende der sechziger Jahre engagierten sich Stadt-Anzeiger und der von Neven DuMont 1964 gegründete Express für die erste sozialliberale Koalition in Bonn. Heute, sagt der Verlagsherr, sei er Wechselwähler. Die großen Parteien sind ihm "zu unverbindlich, nicht zu greifen, ich erkenne keine Gesinnung".
Wer den Unwillen des mächtigen Medienmannes erregt, kann mit heftigen Reaktionen rechnen. Er liebt das sinnenfrohe, tolerante Köln, wo die Feste auch gefeiert werden, wie sie nicht fallen. Den Traum jedes Kölner Jungen, im Karneval "einmol Prinz zo sin", erfüllte er sich schon vor über 50 Jahren. Aber er wird ärgerlich, wenn die Hedonisten rund um den Dom über ihrem Frohsinn den Alltag vergessen. Köln sei von "Kleinkrämerei beherrscht", wetterte Ehrenbürger Neven DuMont im Stadt-Anzeiger, worauf Oberbürgermeister Fritz Schramma prompt die vier Ratsfraktionen zusammenrief und Besserung gelobte.
Die Zeitung ist für Neven DuMont Kulturgut, sie wird nicht vorwiegend aus finanziellen Gründen gemacht. Natürlich muss die Kasse stimmen und auch M. DuMont Schauberg baut Personal ab. Daran, so Neven DuMont, komme derzeit kein Verlag vorbei. Doch die publizistische Qualität war ihm immer genauso wichtig wie der Profit.
"Er hat einen Drang, seinen Einfluss zu stärken, fühlt eine Art Mission", erkannte Hans Werner Kettenbach. "Neven DuMont ist entflammbar wie ein Junger, von klarem journalistischen Urteil", sagt der frühere Deutschlandfunk-Chef Dieter Jepsen-Föge, ehemals Chefredakteur in Köln und Halle.
Wenn allerdings ein Beitrag Neven DuMonts Interessen beeinträchtigt, verändert sich die Grundhaltung. Er nimmt die Berichterstattung persönlich, empfindet sie sogar als illoyal, ist leicht erregbar. Dann kann es passieren, dass Korrespondenten einbestellt werden oder seine Sekretärin morgens um halb acht beim Chefredakteur daheim anruft und ausrichtet: "Der Verleger ist entsetzt über die Zeitung." Wobei er in direkter Unterredung durchaus den Mut zum Widerspruch schätzt. Auch nimmt er stillschweigend die Entlassung von Ressortleitern zurück, die er tags zuvor im ersten Zorn ausgesprochen hatte.
Die Prinzessin und der Ex-Prinz
"Harmonische Routine allein bringt kein Haus weiter. Und doch hab' ich mir diese (für Dich) öfter gewünscht!", schrieb Hedwig Neven DuMont ihrem Mann in dem Buch, das zu seinem fünfzigjährigen Verlagsjubiläum herauskam.
Die geborene Prinzessin von Auersperg mit dem großen Herzen für Menschen am Rande der Gesellschaft ist das ausgleichende Element zum impulsiven Partner. Das Paar hat noch eine Tochter, Isabella. Sohn Marcus, ein begabter Maler und Fotograf, verstarb mit 28 Jahren. Im Februar erscheint Neven DuMonts erster Roman: Reise zu Lena. Es geht darin um den Tod eines Kindes und ob sich der trauernde Vater öffnen kann für das, was vielleicht noch wartet.
Er habe eines erkannt, sagt Neven DuMont: "Man kann sich bemühen im Leben, doch das Rad läuft von allein." Immerhin hält er für männliche Besucher einen Rat bereit, wie sich das Rad der Zeit womöglich länger dreht: "Verlieren Sie nie den Blick für schöne Frauen."
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(SZ vom 14.01.2009/rus)
Bruce Springsteen in Frankfurt
in Köln gibt es nur noch DuMont Presse. Qualitätsarm, unkritisch und langweilig. Journalismus zum Abgewöhnen. Macht dem Verleger vielleicht die Taschen voll aber dem Leser keinen Spaß.
Da kommen ruhige journalistische Zeiten auf Berlin und Hamburger zu.