Porträt von Herzogin Catherine Grimasse mit Filzstift-Charme

Kate, die Herzogin von Cambridge, trägt den künftigen Thronfolger unter ihrem Herzen, es fehlte nur noch ihr Porträt in der Londoner National Portrait Gallery. Nun ist es da - und man mag kaum glauben, was man sieht.

Von Alexander Menden, London

In Großbritannien gilt das Porträt - neben dem gepflegten Pferdebild - unter traditionsbewussten Kunstfreunden nach wie vor als kulturelle Königsdisziplin. Ein besonderes Highlight ist daher stets die Enthüllung von Gemälden, die Mitglieder der königlichen Familie zeigen.

Es wurde höchste Zeit für die Londoner National Portrait Gallery, ihre Sammlung um ein gemaltes Brustbild der Herzogin von Cambridge zu erweitern. Nicht nur trägt sie den künftigen Thronfolger unter dem Herzen, sie gilt allgemein auch als physisch attraktivste unter den weiblichen Windsors.

Das mag man allerdings kaum glauben, wenn man jenes dunstige Porträt Kates betrachtet, das der schottische Maler Paul Emsley nun im Beisein der tapfer lächelnden Kate präsentierte. Er hat etwas geschaffen, das sich technisch und ästhetisch in etwa auf dem Niveau der Straßenkünstler bewegt, die draußen auf dem Trafalgar Square für zehn Pfund lustige Touristenbilder malen.

Das Lächeln - eine hölzerne Grimasse; die Augenbrauen - wie mit dem Filzstift nachgezogen. Die Frau auf dem Bild wirkt wie Kates 20 Jahre ältere Tante, die noch dazu unter Verstopfung leidet.

Die Dargestellte, Schirmherrin der National Portrait Gallery, findet Emsleys Arbeit angeblich "großartig". Ein Beweis für ihre Fähigkeit, in der Öffentlichkeit die Contenance zu bewahren - oder Ausdruck ihrer heimlichen Freude darüber, dass sie besser aussieht als ihr Staatsporträt. Eins ist jedenfalls sicher: Kates Bild wird es schwer haben, sich in der Publikumsgunst gegen die Videoinstallation eines schlafenden, nackten David Beckham durchzusetzen, die im selben Raum zu sehen ist.