Porsche in der Sixtinischen Kapelle Pasta unter Michelangelos Fresko

Unter Michelangelos "Die Erschaffung Adams" wurde fein diniert.

(Foto: dpa)

Taugt Kunst als Kulisse? Der Vatikan hat die Sixtinische Kapelle für Galadinner von Porsche vermietet. Der Papst rechnet wohl mit Spenden, verletzt damit aber ein demokratisches Prinzip.

Von Catrin Lorch

Was verbindet Porsche und Rom? Seit einigen Tagen muss die Antwort lauten: ein Skandal. Der Autobauer hat die Frage selbst gestellt, auf der Firmen-Website, Abteilung Motorsport-Events. Dort findet sich die Einladung zur "Exklusiven Porsche Tour nach Rom", einer Sause durchs Latium und die Ewige Stadt, deren Höhepunkt, nach Etappenzielen wie der Sommerresidenz des Papstes, ein Konzert im "Stylish Setting" der Sixtinischen Kapelle ist. Plus Galadinner im Vatikanischen Museum, "umgeben von Meisterwerken weltberühmter Künstler wie Raffael und Michelangelo".

Man kann sich darüber erregen, dass Menschen es als Luxus empfinden, Italien und Michelangelos Deckenfresko im Sitzen genießen zu wollen, vor einem Teller Pasta, beim Hauskonzert oder im Sportwagen. In der Sixtina, in der sich das Konklave zur Papstwahl trifft, werden sich nicht wenige aus der Reisegruppe des Autokonzerns in Renaissance-Assoziationen verloren haben, von wissenschaftlich versierten Fürsten, den Künsten kundig zugeneigt.

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Aber schadet es dem Museum, wenn abends noch ein paar generöse Ausflügler seine Abgeschiedenheit auflockern? Der Vatikan lässt mitteilen, die Sixtinische Kapelle sei nach wie vor nicht zu "vermieten", sondern nur für Events mit Kunstcharakter verfügbar. Der Papst rechnet, wenn er sich zur exklusiven Speisung von vierzig Porsche-Touristen bereit zeigt, wohl auf Spenden. Warum den nackten Adam, den mächtigen Noah nicht zur exklusiven Soirée verpflichten?

Weil jedes Galadinner, jeder Brunch das Ideal des Museums noch etwas abgenagter zurücklässt. Die Demokratie hat nicht umsonst die Kunst im öffentlichen Museum aus alten Verpflichtungen wie der Repräsentation entlassen. Das Museum ist der Ort, an dem sich der Bürger als Souverän seiner Identität versichern kann. Auch wenn der Alltag, zugegeben, etwas banaler aussieht. Im Touristengedränge der Sixtina genauso wie in den vernachlässigten Sälen von Provinzmuseen.

Erst der Vatikan, dann Museen in Gent, Duisburg oder Prag?

Ein Zustand, der aber vor allem denen unerträglich ist, die den Anblick von Werten nicht ertragen, die nicht umgemünzt werden. Wer käme auf die Idee, vom Krankenhaus Nebeneinnahmen jenseits der medizinischen Leistungen einzufordern? Oder vom herrschaftlichen Gerichtsgebäude? Nein, nur in Museen werden Restaurants und Shops eingerichtet, Eingangshallen routiniert mit Buffets bestückt.

Bislang hielt der Kodex, nach dem man Bratendunst aus klimatisierten Sälen heraushält und Champagner nicht vor Meisterwerken entkorkt. Doch wenn selbst der reiche Vatikan sich darüber hinwegsetzt, werden Direktoren in Gent, Duisburg oder Prag die Argumente ausgehen gegen die Übergriffe der Bilanzierer und Verwerter. Gerade ein Papst, der sich als zeitgemäß versteht, hätte die Pflicht, das Erbe, das seiner Kirche aus einer blutigen, brutalen Geschichte zugefallen ist, mit demokratischem Respekt zu behandeln. Statt es zu versilbern.