Von sus/göt

Die Hauptdarstellerin behauptete bis zu ihrem Tod, sie sei zum Dreh gezwungen worden. Die männlichen Hauptdarsteller alterten im Sonnenstudio. Nun kommen die Leibesübungen ihrer Jugend erneut in die Kinos - mit Bildungsanspruch für Jugendliche.

Der Produzent ist jedenfalls ein ehrenwerter Mann: Brian Grazer, für "A Beautiful Mind" 2002 mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet, ist der Mann hinter dem Dokumentarfilm "Inside Deep Throat", der beim Sundance-Festival uraufgeführt wurde und am Wochenende in ausgewählte amerikanische Kinos kommt. Der gute alte Porno-Reißer "Deep Throat" habe ihn nicht mehr losgelassen, sagt Grazer, seit den frühen Siebzigern -- als seine sechzigjährige Oma ihn anschaute.

Fünf der Kopien wurden so geschnitten, dass sie sich für ein "R" qualifizieren. (© )

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Die Dokumentation, die die Filmemacher Fenton Bailey und Randy Barbato gedreht haben, war der Grund, dass das verruchte, nichtsdestotrotz supererfolgreiche Original in die Kino zurückkommen wird -- Arrows Productions, die die Rechte daran haben, werden neue Kopien ziehen lassen. In New York hat zur Vorab-Aufführung eine Podiumsdiskussion stattgefunden -- unter anderem mit Ron Silver, Kurt Andersen, Tina Brown, Erica Jong und Brian Grazer und Alan M. Dershowitz --, dabei wurde, wie in der New York Times zu lesen war, erneut jene Kontroverse durchgespielt, die die 2002 verstorbene Hauptdarstellerin Linda Lovelace anzettelte, als sie sich endlich gelöst hatte von ihrem Ehemann und aus der Pornobranche: Sie hat darauf bestanden, "Deep Throat" unter Zwang gedreht zu haben . . . Die Männer haben, wie man sieht in "Inside Deep Throat", das Ganze leicht alterswackelig, aber ansonsten aufrecht und sonnenstudiobraun überstanden. Linda Lovelace blieb gebeugt von Verachtung und Alltagssorgen.

Der Film war seinerzeit in 23 Staaten verboten, selbst die Dokumentation hat nun ein "NC 17" bekommen -- für Jugendliche unter 17 strikt verboten. Bei der Wiederaufführung des Originalfilms scheint der Verleih nun einen gewissen Bildungsauftrag zu verfolgen -- fünf der Kopien wurden so geschnitten, dass sie sich für ein "R" qualifizieren, so dass Jugendliche den Film mit einer Begleitperson anschauen dürfen und auch mitreden können. Oma Grazer, so mutmaßen wir mal, wäre dennoch beim Original geblieben.

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(SZ vom 10.2.2005)