Von Markus C. Schulte von Drach

Ein neuer Dokumentarfilm über "The Police" - 20 Jahre nach dem Ende der Band? Unbedingt! Fans warten darauf seit 1978 - dem Jahr, in dem Schlagzeuger Stewart Copeland sich eine Super-8-Kamera kaufte.

Eigentlich ist von allen besprochen, bewertet, kommentiert, runtergeputzt und in den Himmel gelobt worden, was die drei Musiker Sting, Andy Summers und Stewart Copeland zwischen 1977 und 1986 Augen und Ohren geboten haben.

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Everyone Stares. (© Foto: Universal)

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Doch ein riesiger Fundus an Original-Filmaufnahmen von Police - insgesamt 50 Stunden Material lag für zwanzig Jahre verstaut in Schuhkartons.

Aufnahmen, die die Band aus einem ganz besonderen Blickwinkel zeigen. Es ist die Perspektive des Schlagzeugers Stewart Copeland selbst - von ihm mit einer Super-8-Kamera aufgenommen.

Copeland hatte die Filmrollen nach dem Ende der Band weggepackt und beschlossen, auf technische Möglichkeiten zu warten, mit denen sich die Aufnahmen besser speichern lassen würden. Denn Super-8-Filme werden bei jedem Mal, wenn man sie durch einen Projektor jagt, ein wenig mehr zerkratzt.

Die Technik ließ auf sich warten. Dank Computer und Film-Software steht sie inzwischen in einer Weise zur Verfügung, die Copelands eigenen Ansprüchen genügte.

Was der Schlagzeuger, der inzwischen viel Erfahrung als Film-Musiker gemacht hat, für die DVD "Everyone Stares - The Police inside out" aus den Aufnahmen gemacht hat, ist eine ungewöhnliche, einzigartige Dokumentation des Aufstiegs einer der erfolgreichsten Rock-Bands der 80er Jahre.

Ungewöhnlich ist dabei einerseits, dass das meiste Material von einem der Beteiligten selbst aufgenommen wurde, der ständig alles und jeden filmte - seine Bandkollegen zu allen möglichen Gelegenheiten, Fans, Journalisten.

Und genauso ungewöhnlich wie Copelands Stil als Schlagzeuger ist seine Art, Filme zu machen. Bei Police trommelte er ständig gegen den Takt und unterlegte die Stücke zugleich mit einem perfekt zu Stings Kompositionen und Andy Summers unkonventionellen Gitarren-Stil passenden Rhythmus. Ähnlich schräg und zugleich ohne Mühe nachvollziehbar hat er als Regisseur von "Everyone Stares" gearbeitet.

Für Copeland als Ex-Star und Regisseur zugleich - und damit für seinen Film - spricht vor allem die Selbstironie, mit der er die körnigen, wackeligen Bilder kommentiert, die Situationen einordnet, die er mit der Kamera festgehalten oder zwischen die eigenen Aufnahmen gemischt hat.

Sonnenbrillen und eine feindselige Haltung

Bereits zu Beginn des Films macht Copeland deutlich, dass er sich und seinen Kollegen keine selbstherrliche Film-Fanfare widmen will. 1977, als der Schlagzeuger die Band mit Sting und dem Gitarristen Henry Padovani gründete, war Punkrock angesagt, Also, so gibt der Musiker zu, schnitten sich die drei die Haare, setzten Sonnenbrillen auf "und übernahmen die angesagte feindselige Haltung", um richtig rüberzukommen.

Doch "Sting hasst die Musik" und in England mochten die Kritiker die Band nicht. "Sie wussten, dass wir nur auf Karriere aus waren", kommentiert Copeland. Die Konsequenz: Padovani wurde gegen den originelleren Gitarristen Summers ausgetauscht, und die Band versuchte, sich in den USA als New-Wave-Band aus UK zu verkaufen. Mit Erfolg.

"Wir begannen mit einem zynischen Plan", so Copeland, "doch dann begeisterten wir uns an unserer eigenen Musik." Und nicht nur sie. In Deutschland tourten sie durch die TV-Pop-Shows. "Man singt Playback und sieht doof aus", erklärt der in den USA geborene und im Nahen Osten aufgewachsene Musiker.

Und dann outet er sich selbst als einen jener Schlagzeuger, die die übrigen Bandmitglieder bei Live-Konzerten unter Zeit-Druck setzen.

Allein um zu sehen, wie Andy Summers Stewart Copeland die Worte "Zu schnell" zubrüllt, während der Schlagzeuger den Song "Can't Stand Losing you" in Grund und Boden trommelt, lohnt sich der Film.

Oder wie Sting als gerade geborener Star am Pop-Himmel sich nicht traut, eine Konzerthalle zu verlassen, vor der Massen von Fans seinen Namen brüllen. Großartig auch die Bilder, als der Kamera von Copeland der Saft ausgeht, während Sting Andy Summers De do do do beizubringen versucht.

Die Vielzahl solcher völlig unterschiedlichen Situationen, die Copeland durch die Linse der Kamera verfolgt hat und die Masse von Police-Songs in verschiedensten Versionen, die ständig im Hintergrund laufen, ohne zu stören, lassen den Film nie langweilig werden

Wer die Geschichte der Band im Detail verfolgen will, für den hat Copeland zu wenig zu bieten. Zwar spricht er die Probleme an, die in der Band schließlich auftraten - aber nur kurz. Auch vermittelt er zwar den irritierten Blick eines Rockstars vom Gipfel des Ruhmes auf die Fans - doch auch das ist nur eine unter vielen Facetten.

Alles in allem lebt "Everyone Stares" vor allem davon, dass es zum größten Teil eine First-Person-Perspektive ist. Und immer wieder schleicht sich tatsächlich jenes Gefühl ein, dass Copeland mit dem Film zu erzeugen versuchte: Man wird ein Bisschen zu einem Mitglied der Band The Police.

Everyone Stares: The Police Insideout Sprache: Englisch mit deutschen Untertiteln Bildseitenformat: 16:9 FSK: Freigegeben ab 6 Jahren A&M Records (Universal Music GmbH) Spieldauer: 74 Minuten Preis: 16,89 Euro

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(sueddeutsche.de)