Ein Morgen in Berlin. Hundert Reporter belagern eine schwere Holztür. Sie gehört zu einem klassizistischen Bau, der dem Reichstag gegenüberliegt und in dem sich die Abgeordneten einen Club eingerichtet haben, den sie "Parlamentarische Gesellschaft" nennen. Darin sitzen Angela Merkel und Guido Westerwelle seit einer halben Stunde zum Sondierungsgespräch, obwohl es nichts zu sondieren gibt, weil es für eine gemeinsame Regierung nicht reicht. Es gibt also eigentlich auch nichts mitzuteilen. Trotzdem stehen vor der Tür Fotografen, Kameraleute und Journalisten und warten.

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Der Mann von Phoenix erklärt der Reporterin vom Focus, die Deutschen würden gerne nochmal wählen. "Die sagen, diesen Scheiß wollen wir nicht mehr." Ein Mann vom Radio befragt eine Studentin, die im Trikot der jamaikanischen Nationalmannschaft erschienen ist. Die Herstellerfirma bezahlt sie dafür, dass sie Politikern ein Hemd übergibt. Westerwelle hat eins genommen, sagt sie, streicht sich über die Brust und meint: "Allerdings ohne Inhalt." Ein Kameramann vertreibt eine Reporterin, die vor ihm steht, mit dem Satz: "Ich krieg' 'nen Harten." Ein Pressesprecher der CDU versucht für den Mann von der FAZ eine Gasse in den Pulk zu schieben, scheitert aber an sechs schwäbischen Touristinnen, die für die überregionale Presse auf keinen Fall weichen wollen. "Wir stehen auch schon lange da", sagen sie. Dann kommt Merkel. Ihre Stimme geht im Klicken der Kameras unter. Hinten brüllen Touristen: "Lauter!" Vorn schreit die FAZ: "Ruhe!" Der Mann vom Spiegel sagt: "Mit Zivilisten kann man nicht arbeiten!" Die Frau vom Fernsehen fragt: "Würden Sie aus Verantwortung für das Land auch darauf verzichten, Kanzlerin zu werden, Frau Merkel?"

Wenn das jetzt schon politischer Journalismus war, lässt sich schwer sagen, ob er funktioniert. Es lässt sich ja noch nicht mal sagen, wie er funktioniert.

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