Plattenkabinett This Void - Crystals

Jess war weit vorne, wenn es um irgendwas mit Musik oder Technik ging. Er war 2004 unser Austauschstudent von der University of Cincinnati, lief schon damals mit dicken Kopfhörern herum und klappte ständig sein iBook auf. Irgendwann drückte er mir eine lilafarbene imation-CD in die Hand, darauf hatte er das Debüt-Album von Zykos gebrannt, einer jungen Indierock-Band aus Austin, Texas. Nun muss man Zykos nicht kennen, es gibt sie wohl längst nicht mehr (auch wenn die Myspace-Seite noch existiert). Doch sie stehen nach wie vor in der Sammlung zwischen Franz Ferdinand und Mando Diao. Nun haben sie einen neuen Nachbarn im Regal, eine junge Band aus, äh, Jever, Friesland: This Void.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Die alten Schulfreunde, die gerade ihr zweites Album "Crystals" veröffentlicht haben, sind musikalisch ein gutes Stück von den eben Genannten entfernt. Sie orientieren sich eher am "Two Door Cinemas Club" und haben sich weniger dem Rock als vielmehr dem Indiepop verschrieben. Indiepop, das klingt gefährlich nach Mainstream-Radio, und wenn dort irgendwann Songs wie "Forever" laufen, sollte einen das nicht wundern; die Melodien auf "Crystals" sind enorm catchy, und es ist auch kein Geheimnis, dass sich die Jungs von den Radio NRJs dieser Welt gerne umschmeicheln lassen.

So richtig angekommen ist das Quintett in der deutschen Popwelt aber noch nicht. Sei's drum: This Void gefällt als dynamische Band mit frischen Ideen, die etwas von eingängigen Hooks versteht, vor allem aber weiß, wie sie Gitarren abwechslungsreich einsetzt und wie treibend Hi-Hats sein können. Das sind übrigens die musikalischen Parallelen zu Zykos. Apropos: Jess, ich hätte da was für dich.

Wenn dieses Album kauft, kauft auch: T-Shirts mit weitem V-Ausschnitt bei H&M.

Dieses Album hört man am besten: beim Staubsaugen.

Wenn dieses Album eine Sportart wäre, wäre es: Speedminton.

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