Plattenkabinett The Budos Band - Burnt Offering

Es gibt heute nur noch wenige Plattenlabel, die für einen bestimmten Sound stehen. "Daptone Records" aus Brooklyn, New York, ist so eines. 2002 gegründet, ist es der Gralshüter des authentischen Souls und Funks der 60er und 70er Jahre. Sharon Jones & The Dap Kings sind hier beheimatet, ebenso wie der grandiose Charles Bradley. Mark Ronson, der Kopf hinter dem Erfolgsalbum "Back To Black" der verstorbenen Amy Winehouse, nahm jenes Album im Studio des Labels auf. Für den authentischen Klang sorgte die Hausband der Plattenfirma, die Dap Kings. Was immer auf dem Label der beiden Gründer Gabriel Roth and Neal Sugarman erscheint, lässt sich unbedenklich kaufen.

"The Budos Band" verkörpern die psychedelische Seite der New Yorker. Die Instrumentalband stammt eigentlich aus dem Punk und schweren Rock der 70er, hat sich aber zu einer lupenreinen Funk-Band entwickelt, sie selbst nennen es "Afro-Soul". Ronson war so begeistert von der neunköpfigen Formation, dass er sie für seinen 33. Geburtstag nach London einfliegen ließ. Er wollte diesen "imaginären Tarantino-Soundtrack" unbedingt live erleben.

Der Vergleich zu dem Regisseur fasst ziemlich gut zusammen, wofür "The Budos Band" steht. Man sollte sich von dem "Herr der Ringe"-Cover und dem Horrorfilm-Intro des ersten Stücks "Into The Fog" nicht täuschen lassen: Hier könnte jeder Song auch auf dem "Jackie Brown"-Soundtrack vertreten sein. Der Klang ist dabei so authentisch, dass zu den Originalen aus diesen Jahrzehnten kaum ein Unterschied auszumachen ist.

In "The Stitch" wimmert die Orgel, als wäre es ein "Shaft"-Soundtrack, der nie veröffentlicht wurde, in "Aphasia" schieben sich Fuzz-Klänge nach vorne. "Burnt Offering" klingt nach dem Intro eines Science-Fiction-Films, in "Black Hills" wetteifern Bläser und Gitarren.

"Magus Mouintain" schließlich ist ein Groove-Monster, in dem erst der Bass den Ton angibt, dann die Trompete und zum Schluss das Schlagzeug. Wer da nicht mit dem Fuß oder gleich dem ganzen Bein mitwippt, der ist entweder taub oder rhythmusresistent. Gesang vermisst man in den 40 Minuten kaum. Dazu ist "The Budos Band" zu vielseitig und verspielt. Wie immer bei Daptone Records kann man sich also auch diesmal wieder sicher sein: Was hier erscheint, lässt sich unbedenklich kaufen.

Wenn das Album eine Software wäre, dann wäre es ... keine Software. In der Zeit, in der "The Budos Band" leben, musste man sich um Computer noch keine großen Gedanken machen.

Wäre das Album ein Schauspieler, dann wäre es... Richard Roundtree.

Wenn das Album der Soundtrack zu einem Film wäre, dann wäre der Film... "Shaft". You're damn right.

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