Plattenkabinett Cris Cab - Where I belong

Midas hat ihn berührt, eigentlich müsste er zu Gold werden: Cris Cab, der Cristian Cabrerizo heißt und als Sohn kubanischer Eltern in Miami geboren wurde, scheint es geschafft zu haben. Und das, bevor sein Debütalbum "Where I belong" überhaupt auf den Markt kommt. Als er ein Teenager war, fielen seine Demos Pharrell Williams in die Hände. "Der Junge ist die Zukunft", soll Pharrell über Cris Cab gesagt haben, nachdem er ihn Jahre später wieder traf und merkte, dass dieser Junge seine Ratschläge von damals (Viel üben! Viele Gigs spielen! Besseres Songwriting!) doch tatsächlich befolgt hatte. Große Worte von einem, der auf dem Gipfel der Popmusik wohnt und sich für die Geschicke der Menschen unter der Wolkendecke nicht interessieren müsste.

Cris Cab veröffentlichte ein paar EPs, sammelte Millionen Youtube-Klicks und brachte das Mixtape "Echo Boom" heraus. Neben Pharrell fand er in Wyclef Jean einen Fan und Mentor, so dass sich die Produzentenliste schon für das Mixtape besser liest als die eines normalen Albums eines etablierten Stars. Was kann da jetzt beim Debütalbum "Where I belong" noch schiefgehen?

Midas' Handauflegen merkt man den Pharrell- und Wyclef-Stücken natürlich an: in "Liar Liar" etwa, einem Pharrell-Track, der so klingt wie Miami Beach aussieht. Oder in "Good Girls", in dem sich Williams als Songwriter, Big Sean als Rap-Unterstützung und Wyclef als Produzent verbündeten.

Blöde Frage, was da noch schiefgehen kann. Aber nur weil etwas nicht im Desaster endet, muss es ja nicht gleich "die Zukunft" sein. Nicht täuschen lassen: Cris Cab wird angepriesen als Künstler, der verschiedene Genres wie Pop, Soul und Reggae zu verbinden wisse. Ob Cris Cab das tatsächlich kann, ließ sich nicht recherchieren. "Where I belong" aber ist ein reines Pop-Album, daran ändern auch ein paar im Reggae-Duktus eingesungene Verse nichts. Und auf diesem reinen Popalbum ähneln sich die Songs. Sei es das namengebende "Where I belong", das Nerven strapazierende "Loves me not" oder das belanglose "Paradise (On Earth)": Bei einigen der 12 Songs auf Cris Cabs erstem Album hat es nur zu Blattgold gereicht.

Wenn das Album eine Süßigkeit wäre, wäre es ein Butterfinger Ice Cream Bar

Wenn das Album ein Auto wäre, wäre es ein getunter Toyota Supra

Wenn das Album ein Soundtrack wäre, dann zum Film "Miami Vice 2"

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