Plattenkabinett Christina Perri - Head or Heart

"Who do you think you are, running around leaving scars?" singt Christina Perri empört in ihrem Hit "Jar of Hearts". Aber das weiß jeder, der in den vergangenen zwei Jahren mal mit dem Auto irgendwohin fahren musste und dabei das Radio laufen ließ - so allgegenwärtig war die gesungene Abrechnung mit dem Verflossenen. Oder die Twilight-Film-Fans! Die kennen alle Perris "A Thousand Years", es lief in Teil 1 und 2 der "Saga", und Perri holte mit der Single mehr Platin als sie tragen konnte (vier Mal). Nach ihrem Debütalbum "lovestrong" fährt sie nun also mit "Head or Heart" einen weiteren Großangriff - aufs Herz, aber vor allem auf den Gehörgang.

Zwei Gedanken lassen sich auch nach mehrmaligem Hören der 13 Tracks auf "Head or Heart" nicht vertreiben.

Erstens: Gute Güte, ist das alles makellos produziert. Keine Sekunde dieses 50 Minuten laufenden Albums wird dem Zufall überlassen. Dafür sorgte eine ganze Phalanx von erfahrenen Produzenten, unter ihnen Grammy-Gewinner Manny Marroquin, der schon mit Kanye West und Alicia Keys gearbeitet hat.

Zweitens: Gute Güte, ist das alles laut. Christina Perri, die ihren Ruhm einer Ballade verdankt, schmettert auf "Head or Heart", als ob es gilt, die gleichzeitig probende Heavy-Metal-Band im Nebenraum zu übertönen. Und schmettert. Und schmettert.

Nach dem wohlklingenden Crescendo ihres Openers "Trust", mit dem Perri erst mal die Brillanz ihrer Stimme in Erinnerung ruft, nimmt sie den Hörer mit Uptempo-Nummern unter Beschuss. "Burning Gold", "I don't wanna break", "Sea of Lovers", "Lonely Child" mögen sämtliche Lebensgeister gründlich weckende Nummern sein. Aber Verschnaufpausen?

"Be my forever" im Duett mit Ed Sheeran mag ein ansteckendes Mitklatschlied sein, bei dem ich sekündlich darauf warte, dass eine Radiostimme drüberquasselt: "Naaaaaa wenn das nicht ein klasse Lied zur Einstimmung in den Feierabend ist! Das war Christina Perri - und wir sind gleich zurück mit dem Verkehr auf Münchens Straßen, also dranbleiben!" - so ist es getrimmt auf Radiotauglichkeit. Aber Verschnaufpausen?

Abgesehen von der Auskopplung "Human", die zumindest anfangs den Anschein einer Ballade wahrt, ehe sie auch ins Geschmetter abkippt, und dem angenehm aus dem Rahmen fallenden "The Words" gibt es keine. Was man sich selbst als Balladenskeptiker nach diesem Dauerbeschuss aber dann doch wünschen würde.

Am Ende ist der Hörer erschöpft. Und die Metalheads von nebenan haben auch schon längst aufgegeben.

Wenn das Album eine Süßigkeit wäre, wäre es eine Eisbombe mit Sahne

Wenn das Album ein Auto wäre, wäre es ein neonfarbener BMW Z3

Wenn das Album ein Soundtrack wäre, dann zum Film "Twilight"

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