"Planet der Affen: Survival" im Kino Auch Primaten bilden eine Ellenbogengesellschaft

War es eine gute Idee, dieser Affenarmee den Krieg zu erklären? Die Menschen in "Planet der Affen: Survival" werden es herausfinden - auf die harte Tour.

(Foto: dpa)

Was könnten wir von den Affen lernen, was die Affen von uns? Der neunte Teil der "Planet der Affen"-Reihe ringt um Antworten, findet aber nur eine allzu simple.

Von Nicolas Freund

Angenommen, Affen wären so klug wie Menschen. Sie würden Werkzeuge benutzen, könnten sprechen, sich organisieren. Die Menschen wären, im Gegensatz dazu, wie wilde Tiere, zerzaust, zu keiner Artikulation fähig, nicht einmal in losen Gruppen organisiert.

Jeder der bisher neun "Planet der Affen"-Filme, die auf einem Science-Fiction-Roman des französischen Autors Pierre Boulle von 1963 basieren, geht diesem Gedankenexperiment nach und stellt diese verkehrte Ordnung nicht nur her, sondern gleich infrage.

Denn es gehört auch zu jedem "Planet der Affen"-Film, dass ein Mensch (oder ein Affe) auftaucht, der entgegen allen Erwartungen sprechen kann, intelligent ist und auf ganz unheimliche Art seinem fremden Gegenüber gleicht, obwohl sie doch grundverschieden sein sollten.

In den Remakes der Reihe, die seit 2011 entstanden sind, ist diese Figur der Affe Caesar, gespielt von Andy Serkis. Caesar ist der erste hochintelligente Affe, zufällig erschaffen als Nebenprodukt eines Experiments in der Alzheimerforschung.

Wunderwerk der Animation

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Aufgewachsen ist er bei Menschen, und obwohl er klüger ist als viele von diesen, obwohl er sprechen und sogar lesen kann, bleibt er für die meisten Menschen ein Affe, ein wildes, gefährliches Tier, das unter Kontrolle gehalten werden muss. Caesar akzeptiert das nicht und zettelt einen Affenaufstand an.

Die letzten verbliebenen Menschen haben einen brutalen Herrscher

Im neuesten Film, der in Deutschland "Planet der Affen: Survival" (Regie: Matt Reeves) heißt, ist es nun zum offenen Krieg zwischen den klugen Affen und den letzten verbliebenen Menschen gekommen, die noch nicht von einem ebenfalls grassierenden Killervirus dahingerafft wurden.

Caesar hat in den Wäldern Kaliforniens eine naturverbundene Affenkommune aufgebaut, und obwohl es auch unter ihnen Kriegstreiber gibt, wollen die Tiere vor allem ihre Ruhe haben. Grund für den trotzdem endlosen Konflikt ist der finstere Anführer einer Gruppe Menschen, die im verschneiten Norden einen faschistischen Militärstaat aufgebaut haben.

Dieser Führer, nur Colonel genannt, wird von Woody Harrelson gespielt. Seine Markenzeichen sind ein kahlrasierter Schädel und eine dunkle Sonnenbrille. Wie Kurtz aus Joseph Conrads "Herz der Finsternis" hat sich dieser Colonel, als sich die Gelegenheit bot, zum brutalen Herrscher aufgeschwungen.

Bilder, wie sie kein menschliches Auge je selbst erblicken könnte

Er hat den Affen und den anderen, friedlicheren Menschengruppen den Krieg erklärt, weil er weiß, dass die Menschen gegen die körperlich überlegenen und nun geistig mindestens ebenbürtigen Primaten evolutionär keine Chance mehr haben. Dazu kommt, dass Menschen, die eine Infektion mit dem Virus überleben, große Teile ihrer kognitiven Fähigkeiten einbüßen. Sie degenerieren auf das Niveau eines Tiers. Die Rollen zwischen Menschen und Affen werden langsam vertauscht.

Der Krieg tobt durch unwirklich schöne Landschaften - verfallende Küstenstädte, urzeitliche Wälder, verschneite Geheimbasen wie aus "Star Wars", ein zum Eispalast erstarrtes Hotel - und der ganze Film scheint in seinen Bildern die Abschaffung des Menschen bereits akzeptiert zu haben.

Wenn die Kamera allwissend wie ein Spionagesatellit über die Schlachtfelder gleitet oder direkt durch eine Affenhorde fährt, sind das Bilder, wie sie kein menschliches Auge je selbst erblicken könnte.