In Zeiten, in denen sich Begriffe wie "Hungerrente" und "Endrentner" einbürgern, stellt sich eine Frage: Wie "schussfest" sind unsere Altvordern noch?
Hunde haben Angst vor lauten Knallgeräuschen, wie sie beispielsweise das Abfeuern einer Jagdflinte erzeugt - es sei denn, diese Hunde sind "schussfest".
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John Malkovich beweist in der Actionkomödie R.E.D. (Retired Extremely Dangerous), dass er auch mit seinen 57 Jahren noch extrem gefährlich und "schussfest" sein kann. (© Concorde Filmverleih/dapd)
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Der Ausdruck stammt aus der Jägersprache und trägt der Tatsache Rechnung, dass man dem Hund die Angst vor dem lauten Knall nehmen kann, indem man ihn Schritt für Schritt daran gewöhnt. Denn was nicht nur Hund sein will, sondern Jagdhund, darf nicht jaulend und winselnd davon laufen, sobald der Jäger auf seine Beute anlegt.
Nun wird der Ausdruck "schussfest" neuerdings vermehrt nicht nur auf wenig schreckhafte Vierbeiner angewendet, sondern auch auf Menschen, genauer gesagt auf ältere Menschen - was ein ziemlich doppelzüngiges Kompliment darstellt. Von unseren Altvordern zu behaupten, sie seien schussfest, dient nämlich als Argument auf dem Arbeitsmarkt.
Es soll damit angedeutet werden, dass diese aufgrund ihrer langen Erfahrung nicht so leicht zu erschüttern oder aus der Bahn zu werfen und daher im Berufsleben noch gut zu gebrauchen sind. Hier umweht das Wort "schussfest" eine diffuse Aura von Veteranenstolz, ein Heroismus der frühen Geburt. Weltkrieg, Hungerwinter, Trümmerjahre und andere existentielle Härten schwingen da mit, eine Erfahrungstiefe, welche die Älteren den Jüngeren voraus haben.
Unausgesprochen bleibt bei diesem Lob allerdings, dass die im Laufe eines Lebens erlangte Schussfestigkeit nicht nur eine schöne Eigenschaft ist, sondern heutzutage auch eine bitter notwendige, dass die Verlängerung der Erwerbsbiographie über das übliche Pensionsalter hinaus oftmals nicht ein freiwilliger Schritt ist, sondern vielmehr ein unvermeidbarer.
Die putzende Siebzigjährige, der Zeitungen austragende Achtziger -in Zeiten, da sich Begriffe wie "Hungerrente" oder "Endrentner" einbürgern, muss man eben noch bis ins hohe Alter darauf gefasst sein, dass einem die Kugeln um die Ohren fliegen.
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(SZ vom 04.03.2011/tolu)