Phrasenmäher: Schland Kollektiver Rülpser

Das flutscht freundlich ins Ohr, das hat alle teutonische Schwere abgeworfen: "Schland" ist das In-Wort des Sommers.

Von Christopher Schmidt

Im Wörterbuch stünde er zwischen Schlamm und Schlund, der aktuelle Spitzname für unser Land. Um einen deutschen Erfolg in Südafrika heraufzubeschwören, haben ein paar Studenten aus Münster das Lied, das Lena Meyer-Landrut beim Grandprix in Oslo Glück gebracht hatte, umgedichtet. Aus "Satellite" wurde "Schland, o Schland", und die Cover-Version der Band namens Uwu Lena hat es zur inoffiziellen WM-Hymne gebracht.

"Schland" klingt, als wäre Gurgeln, Saugen und Schlürfen das einzige, was von Deutschland übrig geblieben ist, ein großes Schmatzgeräusch, ein kollektiver Rülpser auf der Fanmeile.

Vor Jahren hatte schon einmal ein pfiffiger Kopf Deutschland verstümmelt, dessen westlicher Teil damals Bundesrepublik hieß, denn als Martin Walser 1966 seinen Roman "Das Einhorn" veröffentlichte, gab es noch zwei deutsche Staaten. Weil Walser sich aber mit der deutschen Teilung nicht abfinden wollte, nennt er die Bundesrepublik im Buch immer nur Bunzreplik. Mit seinen vielen scharfen Konsonanten wirkt dieser Name selbst wie der Stacheldraht an der deutsch-deutschen Grenze.

Ganz anders Schland. Das flutscht absolut weich ins Ohr, das hat etwas Freundlich-Regressives. Genau wie ihre junge multikulturelle Spaß-Elf haben die Bewohner von Schland alle teutonische Schwere, alles Böse der Geschichte abgeworfen, damit es blubbernd in dem riesigen Pudding versinkt, der Schland umgibt.

Schland, das ist die Kurzform von Schlaraffenland, dem sagenhaften Reich derer, die an ein Sommermärchen glauben.

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