Peter Handke zum 70. Geburtstag Ich gehe

Peter Handke im November 2012 in Salzburg.

(Foto: Christine Dössel)

Sanft bergauf, bergab: Der Schriftsteller Peter Handke wird 70 - und ist noch immer unterwegs auf der Suche nach Ruhe. Er wünscht sich, die Tonlage ihm gegenüber wäre "schuldbewusster" - denn er fühlt sich verkannt.

Von Christine Dössel

An diesem Donnerstag feiert der Schriftsteller Peter Handke seinen 70. Geburtstag - und zwar nicht in Wien auf dem "Friedhof der Namenlosen", wie er das ursprünglich mal überlegt hatte, sondern in Salzburg, wo er von 1979 bis 1987 lebte. Er wird in Salzburg den "großen Kunstpreis für Literatur" des Landes entgegennehmen und mit Familie und Freunden feiern. Tags darauf geht es dann nach Kärnten: Sein Heimatort Griffen, wo Handke 1942 zur Welt kam, verleiht ihm die Ehrenbürgerschaft.

Mit 70 ist Handke endlich "Dramatiker des Jahres" - für sein Stück "Immer noch Sturm" über die Kärntner Slowenen. Handke wünscht sich im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, dass nun erkannt wird, dass dieses Stück "keine lokale, sondern eine universale Geschichte ist". Denn dem Theater sei bedauerlicherweise die "Universalität" verloren gegangen, "die Neugier auf das, was andere Völker machen, schwindet", so der Autor.

Er selbst arbeite derzeit an einem neuen politischen Drama namens "Die Unschuldigen" - denn das seien "heutzutage die Schlimmsten". In die Öffentlichkeit "zurückgekommen" nach langer Zeit der Bannung und Brandmarkung wegen seiner Haltung in Sachen Jugoslawien sieht sich Handke jedoch nicht: "Das mag auf die Wahrnehmung im Bereich Theater zutreffen, aber mit meinen Prosabüchern war ich immer da". Er wünsche sich jedoch, die Tonlage ihm gegenüber wäre "schuldbewusster", denn er fühlt sich verkannt.

Trotz allem: "Ich gebe zu, ich habe gern Geburtstag", sagt Handke, und hält sich durch das Gehen jung. "Mein Ideal ist: Sanft bergauf, bergab". Ein weiteres Ideal: "dass man zugleich urwüchsig und esoterisch ist".

Wie er rückblickend die lange Kontroverse über seine Haltung zu Jugoslawien sieht und was ihn heute zu hässlichen Wutanfällen bringt, lesen Sie im ausführlichen Interview in der aktuellen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung.