Von Fritz Göttler

Als gutmütiger, scheinbar geistig behäbiger Inspektor Columbo wurde Peter Falk bekannt. Wer ihn aber nur in seinem verknitterten Trenchcoat kennt, der hat etwas verpasst.

Spielen, auch wenn der Wahnsinn dich fest im Griff hat ... eine schöne Formel für das, was Peter Falk im Theater und im Kino macht, seit fünfzig Jahren, als er 1956 seinen Schreibtischjob in der Finanzverwaltung in Hartford, Connecticut aufgab - bei der CIA hatten sie ihn nicht genommen - und beim Off-Broadway und kurz darauf am Broadway spielte.

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Seine bekannteste, aber bei weitem nicht seine einzige Rolle: Peter Falk als Inspektor Columbo. (© Foto: dpa)

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Fünf Jahre später gab es zwei Oscar-Nominierungen, die beste Nebenrolle in "Murder, Inc." und Capras "A Pocketful of Miracles". Preise kassiert hat er aber erst später, fünf Emmys und einen Golden Globe für den Inspektor Columbo.

Wo das Chaos regierte in Hollywood, war Peter Falk nicht weit. Bevor er zum härtestgesottenen Einzelgänger-TV-Cop wurde, erwies er sich als ungemein versiert im Bandenfach, unaufdringlich, aber wenn´s denn sein musste von schmieriger Brutalität - von der Vogelwildererbande des Burl Ives in "Wind Across the Everglades" über die klassischen Gangster-und die Ratpack-Filme bis zu den Stücken mit der Cassavetes-Gang.

"Husbands" wäre da vor allem zu nennen, wo er mit Cassavetes und Ben Gazzara nach London ausbüxt, wo die drei mit ihrer Sause unsere Nerven gehörig strapazieren - aber wer hat je behauptet, dass das Leben, das Kino edel, schön und sinnreich sein sollten. Einen ähnlichen Job hat er dann bei Wenders, im "Himmel über Berlin", wo er den luftig-poetischen Engeln historische Erdung verschafft.

Eine seiner schönsten Rollen hat Falk, der am 16. September achtzig wird, in "... all the marbles", 1981, dem letzten Film von Robert Aldrich, da ist er der Manager zweier Showringer-Girls, eine Vaterfigur, okay, aber immer noch lodert etwas in ihm - und vice versa in den Mädchen -, gemeinsam ziehen sie durch die Lande, unerschrocken in der Einsamkeit der amerikanischen Ebenen, die nichts ist im Vergleich zur Einsamkeit der menschlichen Herzen, und die Landschaft ist erfüllt von den unvergänglichen Klängen des Ridi Pagliaccio.

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(SZ v. 15./16.9.2007)