Eine andere Ruhelosigkeit ist in dem Kurzfilm "Hochhaus" von Niklas Chryssos zu spüren, die eines Lebens in den Randzonen der bürgerlichen Gesellschaft. Die elternlosen Brüder Daniel und Patrick schlagen sich in einer runtergekommenen Neubausiedlung unter einsamen alten Damen und verwahrlosten Süchtigen durch, in einem leerstehenden Haus halten sie die entführen Haustiere der Gegend gefangen und bringen sie ihren Besitzern gegen Finderlohn zurück, sobald Vermisstenanzeigen auftauchen.
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Der kleine Film vibriert unter der rohen Energie jugendlicher Aufmüpfigkeit, die sich mit der Verzweiflung der Armut zu einem gefährlich kriminellen Gebräu vermischt.
Ein seltener Fall von Geschwisterkino: Dietrich (Regie) und Anna Brüggemann (Drehbuch, Darstellerin) springen in ihrem Film "Neun Szenen" auf das endlos sich drehende Karussell der Beziehungen, zwischen Eltern und Kindern, Verliebten und Entliebten.
Dabei entsteht zwischen den neun in sich geschlossenen Episoden ein raffiniert gesponnenes Netz von Verbindungslinien, die Hauptfiguren des einen Films sind die Nebenfiguren des nächsten, bis sich alle Teile zu einem komplexen Ganzen fügen. Man spürt, wie sich die jungen Filmemacher über die episodische Form langsam ans Erzählen längerer Geschichten herantasten.
Eine andere Art der Annäherung ans filmische Erzählen ist natürlich der Dokumentarfilm, und in "Katharina Bullin - Und ich dachte ich wär' die Größte" kommt Marcus Welsch ganz nah an die Gefühle der Titelfigur, einer DDR-Volleyball-Olympiasiegerin von Moskau, 1980, heran, die wie so viele andere Sportler sozialistischer Staaten den sportlichen Triumph mit einem furchtbaren Schicksal bezahlen musste.
Der verantwortungslose Einsatz von Hormonen und ungetesteten Medikamenten führte nicht nur zu lebenslangen Schmerzen, sondern veränderte auch ihre ganze Erscheinung. Auf ihre tapfere und mutige Weise kämpft auch sie, wie all die orientierungslosen Männer, um ihren Platz im Leben.
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(SZ vom 15.02.2006)