Die vier heißen Monate vor dem Mauerbau - Dominik Grafs "Der Rote Kakadu" ist ein Feuerball von einem Film und erinnert an die Filme der "Nouvelle Vague"
Ein echter Sommerfilm, mit Tauben auf dem Dach und einem jungen Pärchen am Ufer der Elbe, kurzärmelige Hemden beherrschen die Bilder, in allen Längen und Schnitten und Farben und Mustern.
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Ein Park, ein Pavillon, ein junges Paar - ganz simpel beginnt es und ganz klassisch-romantisch, wie in einer Erzählung aus alten deutschen Tagen, von Taugenichtsen oder von zwischenmenschlichen Wahlverwandtschaften.
Elvis unter den Bäumen
Ganz zufällig stolpert der zwanzigjährige Siggi in die entscheidende Phase seiner Jugend, als er aus der DDR-Provinz in die Stadt Dresden kam, nun mit dem Skizzenblock durchs Leben läuft - wie die romantischen Taugenichtse es damals eben vormachten - und davon träumt, ein Maler zu werden.
Auf seinen Wanderungen war er, auf Anraten seiner Tante Hedy, bei der er wohnt und die er bald ausnehmen wird wie eine Gans, eines Tages in den weitläufigen Garten des Zwingers gekommen, er hat sich ins Gras gesetzt und ein wenig gezeichnet, und als er sich dann auf den Heimweg machen wollte, ist er auf ein paar Jugendliche gestoßen, die sich in einer merkwürdigen Spannung, einer freudigen, ihm unbekannten Erregung befanden. Amerikanischer Rock im Freien war angesagt, auf einer grünen Wiese, Elvis unter Bäumen auf einer Lichtung.
Das Mädchen Luise erklärt ihm das, und kurze Zeit später wird er sich in sie verlieben und nicht wissen, wie er sie losreißen soll von ihrem Mann Wolle. Aber jetzt ist erst mal der Mann mit dem Plattenspieler da, die ersten Takte erklingen, die Jungen und Mädchen suchen ihren Rhythmus... Leider wird der freche Spaß von der Polizei brutal beendet, mit einem Tritt in den zerbrechlichen Plastikapparat und wilden Prügeln.
Der Rock, das sagt uns dieser Film von den ersten Minuten an, das ist die Jugend und die Freiheit und die Anarchie, und die Jugend und die Freiheit und die Anarchie, das ist das Kino, oder vielleicht ist es auch andersherum. Siggi hilft erst mal Luise retten, die einen Schlag an den Kopf abgekriegt hat, und nun von ihrem Mann aus der Gefahrenzone geschleppt wird.
Das Ganze ist gemein und hässlich, aber es hat auch das Aroma eines echten Abenteuers. Komm doch in den Roten Kakadu heute Abend, sagen sie zu Siggi, das ist das legendäre Tanzlokal im Weißen Hirsch, einem Stadtteil im Norden der Stadt, am Parkhotel, neben dem Russensanatorium. "Da kann man Musik hören, da wackelt der Mutter der Rock."
Der Countdown hat begonnen
Ein paar Wochen im Frühling und Sommer 1961 erzählt der Film, Tage der Atemlosigkeit, einen Countdown, der vom ersten Mann im All im April, dem sowjetischen Major Gagarin, zum Mauerbau im August führt. Vom grenzenlosen glücklichen Schweben im All zur Einkerkerung.
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