Oscars 2014 "Gravity" sammelt den ganzen Abend lang Oscars

Doch "12 Years" war über lange Strecken des Abends nicht der Dominator - Regisseur Steve McQueen und seine Mannschaft mussten bis zum Schluss zittern, bis die neun Nominierungen in drei Academy Awards umgemünzt waren.

Der Weltraum-Blockbuster "Gravity" sammelte hingegen über den ganzen Abend verteilt Trophäen, was auch so erwartet worden war, weil fast alle dieser Oscars in technischen Disziplinen wie "Beste visuelle Effekte", "Beste Kamera" und "Bester Ton" vergeben wurden, die sich Regisseur Alfonso Cuaron für seine technologische Pionierarbeit nach allgemeiner Erwartung verdient hatte. Denn wie er den Zuschauer mit intelligent eingesetzter 3D-Technik in die Schwerelosigkeit des Weltalls holt, ist sensationell.

Dafür musste der Mexikaner den Film in den viereinhalb Jahren seiner Produktionszeit zwei Mal drehen, weil ihm etliche technische Möglichkeiten bei Drehbeginn noch nicht zur Verfügung standen. Dass ihm für diese Herkulesaufgabe neben den sechs technischen Academy Awards am Schluss auch noch der angesehenere Regie-Oscar verliehen wurde, war folgerichtig. Ebenso erwartbar war allerdings die Nichtberücksichtigung beim Hauptpreis des Abends, denn "Gravity" hat kaum eine Handlung.

McQueens "12 Years a Slave" gewinnt als bester Film

Wie erwartet räumt "Gravity" ab: Sieben Oscars gewinnt der Weltraum-Thriller, darunter den für die beste Regie. Cate Blanchett ist die beste Hauptdarstellerin, bei den Herren gewinnt Matthew McConaughey. Zum besten Film kürt die Academy das Sklavendrama "12 Years a Slave" - ein Favorit geht leer aus. Die Oscar-Verleihung in Los Angeles zum Nachlesen. mehr ...

Eine Niederlage, wie es sie in dieser Härte schon lange nicht mehr gegeben hat, musste an diesem Abend im Dolby Theatre "American Hustle" einstecken. Die Screwball-Komödie von David O. Russell trat mit zehn Nominierungen an und ging vollkommen leer aus. Selbst der langatmige Historienschinken "Lincoln" war im vergangenen Jahr nicht so gerupft worden und hatte wenigstens Trost-Oscars mit nach Hause nehmen dürfen.

Ungerechte Ohrfeige

Im Vergleich dazu erschien die schallende Ohrfeige für "American Hustle" in diesem Jahr ungerecht. Denn die Komödie wird von einem starken Schauspieler-Ensemble getragen, das die absurde Geschichte des Films in hinreißendem Irrsinn gipfeln lässt, der sehr vergnüglich anzusehen ist.

Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper und Jennifer Lawrence, die für alle vier Darsteller-Preise nominiert waren, hatten einfach das Pech, dass sie gerade in den Schauspieler-Kategorien auf starke Konkurrenz stießen. Denn die Oscars für Matthew McConaughey und Jared Leto (beste männliche Haupt- und Nebendarsteller jeweils in "Dallas Buyers Club") sowie für Cate Blanchett (beste Hauptdarstellerin in "Blue Jasmine") waren allgemein erwartet worden. Nur dass Jennifer Lawrence beim Oscar für die beste weibliche Nebenrolle gegen Newcomerin Lupita Nyong'o und deren Darstellung der Sklavin Patsy in "12 Years" den Kürzeren zog, kam überraschend.

So sehr "American Hustle" der Überraschungsverlierer des Abends war, so sehr durfte sich "The Great Gatsby" über überraschende Erfolge freuen: Zwei Mal nominiert, zwei Oscars geholt (für "Bestes Szenenbild" und "Bestes Kostümdesign") - von dieser Effizienz konnte David O. Russell an diesem Abend nur träumen. Vielleicht sollte er als nächstes ein Drama drehen - ernste Moralabhandlungen haben der Academy in ihrer Geschichte meistens besser gefallen.