Sean Penn als Harvey Milk, Kate Winslet und der Film "Slumdog Millionär" sind die großen Gewinner der Oscar-Nacht. Eine Trophäe geht nach Deutschland. Und Gastgeber Hugh Jackman tanzt alle in den Schatten.
Als Zuschauer erwartet man unverschämt viel von den Oscars. Sie sollen jedes Jahr das gleiche Ritual abspulen und trotzdem jedes Mal überraschen, als seien die in Hollywoods Kodak Theatre versammelten Filmschaffenden nur das Personal für die persönliche Surprise-Party. Die Award Show voller Tränen und irrer Fummel verspricht das gleiche Gefühl auszulösen, das Jungschauspielerinnen oft lautstark auf dem roten Teppich empfinden: "I can't believe I'm here!" In diesem Jahr, bei der 81. Oscar-Ausgabe, bekam man tatsächlich geboten, womit vorher nicht zu rechnen war: eine Preisverleihung im Musical-Stil.
Die Gewinner: Kate Winslet, Sean Penn und Penélope Cruz. (© Foto: dpa)
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Vom ersten Moment an, als Hugh Jackman im schwarzen Smoking auf die Bühne kam, wusste man, dass der Gastgeber-Debütant die Oscars im Griff haben würde, ja, sogar wild entschlossen war, ihnen seinen Stempel aufzudrücken. Jackman bedauerte zunächst scherzhaft, dass die Academy aufgrund der angespannten ökonomischen Lage die Eröffnungsnummer eingespart habe. Dann lieferte er ein Opening im Low-Budget-Musical-Stil ab und sang sich im Duett mit Anne Hathaway durch ein mitreißendes Libretto: "These are the Oscars! This is my dream! I am a Slumdog! I'm the Reader, the Wrestler. I am Wolverine!"
Auf der intim anmutenden Bühne wirkte das charmant wie eine Schultheateraufführung bei der Abifeier, nur vor ein paar hundert Millionen Zuschauern mehr: Das beste Oscar-Opening seit Billy Crystal im Jahr 2004 ließ der anspruchsvoll-abgeklärten Hollywood-Oberstufe keine andere Wahl, als sich für Ovationen zu erheben.
So viel lauschige Harmonie
Im formalen Teil bestand der Abend vornehmlich daraus, dass die Oscars im Wechsel an "Slumdog Millionär" (Bester Film, Regie, Kamera, Schnitt, Bestes adaptiertes Drehbuch, Musik, Bester Song, Ton) und "Der seltsame Fall des Benjamin Button" (Visuelle Effekte, Ausstattung, Make-up) vergeben wurden. "Slumdog Millionär", vom Engländer Danny Boyle mit indischen Schauspielern in Mumbai gedreht, ist also der große Gewinner, während Brad Pitt mit seinem Verjüngungsmärchen nur Trostpreise einheimste. Dafür waren er und seine ebenfalls nominiert-unprämierte Partnerin Angelina Jolie den ganzen Abend gut im Bild.
Die Schauspieler-Preise wurden jeweils von fünf vorherigen Gewinnern in der Kategorie verliehen. Und so standen Shirley MacLaine, Sophia Loren, Halle Berry, Nicole Kidman und Marion Cotillard im Halbkreis auf der Bühne und gaben in kurzen Ansprachen allen nominierten Hauptdarstellerinnen das Gefühl, Gewinnerinnen zu sein. Dass nur eine von ihnen wirklich eine goldene Herrenstatuette mit nach Hause nehmen konnte, Kate Winslet nämlich, spielte in der lauschigen Harmonie keine Rolle. Jedenfalls taten die Damen alle ganz überzeugend so, dafür sind sie ja schließlich Schauspielerinnen geworden.
"He's my brother"
Sean Penn bekam seinen Hauptdarsteller-Oscar für die Darstellung des homosexuellen Politikers Harvey Milk aus den Händen von Michael Douglas. In seiner Dankesrede forderte Penn, die Homo-Ehe in den USA endlich zu legaliseren. Er bot die Hollywood-typische Mischung aus Idealpolitik und familiärer Selbstbespiegelung. So richtete Penn sein Schlusswort bei allem gesellschaftskritischen Sendungsbewusstsein an den für "The Wrestler" nominierten Mickey Rourke:"Mickey Rourke rises again. And he's my brother."
Ein Oscar ging nach Deutschland, aber nicht für "Der Baader Meinhof Komplex" - zum besten fremdsprachigen Film wurde der japanische Beitrag "Departures" gekürt: Jochen Alexander Freydank gewann für "Spielzeugland" den Oscar für den besten Kurzfilm. Die Laudatoren konnten seinen Namen zwar nicht aussprechen, dafür bedankte sich Freydank souverän, als sei dies nicht seine erste Oscar-Rede.
Aus den langweiligen Nebenkategorie-REM-Phasen weckten einen während der dreieinhalb Stunden die Höhepunkte: So kam Ben Stiller als täuschend echter, Kaugummi kauender Joaquin-Phoenix-Doppelgänger mit langen Haaren, Vollbart und Sonnenbrille auf die Bühne. Auch der Dialog zwischen den Komikern Tina Fey und Steve Martin bei der Vergabe des Oscars für das beste Originaldrehbuch ("Milk") war gelungen: "Don't fall in love with me!", ermahnte Martin die jüngere Frau, als sie ihm tief in die Augen blickte.
Doch nicht "nackt und besoffen"
Doch am meisten für den eigenen Marktwert hat, ganz ohne Oscar-Gewinn, Hugh Jackman getan. In der Mitte der Show tanzte er noch einmal, zusammen mit einem großen Fernsehballett und Beyoncé Knowles. "The Musical is back!", rief Jackman begeistert aus, schließlich begann seine Karriere auf australischen Musicalbühnen. Seit Sonntagnacht glänzt das Image des "Sexiest Man Alive", der dem Publikum als düsterer Superheld Wolverine in den "X-Men"-Filmen bekannt geworden ist, noch ein bisschen mehr, und zwar durch Humor und tänzerische Eleganz. Dabei hatte er doch angekündigt, auf "australische Art" moderieren zu wollen: "nackt und besoffen".
Dank Jackman besaßen diese Oscars einen wohltuenden Überraschungseffekt, der den meisten Award Shows fehlt. Wie die winterlichen Preisverleihungen mechanisch aufeinanderfolgen, das erinnert manchmal ja an eine stumpf gewordene Perlenkette. Seit 2004 werden die Oscars im Februar verliehen, früher gab es sie erst einen Monat später. Weil sich die Tour de Glamour immer noch ziemlich in die Länge zieht, erwägt man, die komplette Award Season auf zwei Wochen im Januar einzudampfen, was allen Beteiligten Kosten und Nerven sparen würde.
Auch für den Berichterstatter war es nach Golden Globes und Grammys schon die dritte Gala im noch jungen Jahr. So langsam gehen einem da die Galauer aus.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/ihe/gal)
Urteil am Bundesverfassungsgericht
Ich habe schon herausgelesen,daß Sie nicht ungebildet sind, aber irgendwie haben Sie mich nicht verstanden. Mit Kinofilmen kenne ich mich allerdings wirklich nicht aus. Aber das braucht man sicher auch nicht, um im Leben klar zu kommen. Die Bayreuther Festspiele sind sicher was großartiges,wenn sie mich auch persönlich nicht so sehr interessieren, so können wir da schon stolz darauf sein. Aber die Leute, die da hingehen, klatschen sich nicht ab oder machen jippiii oder huuuu, wie es mittlerweile bei m Rest der deutschen Gesellschaft üblich ist, ganz nach amerikanischem Vorbild. Es ist sicher nichts schlimmes, aber es schadet unserer Kultur und Tradition, wenn man ständig mit neuen, unnötigen Dingen aus Amerika konfrontiert wird. Und wenn von den Oscars mal einer für einen Deutschen übrigbleibt, dann hat er was Nazideutschland zu tun.
Die Milch macht's
Tätää Tätää Tätäää
Ich sags doch.
der erste Satz war natürlich ein Zitat...
Seit Jahren beobachte ich, daß fast täglich ein Stück deutscher Sprache, Kultur, oderTradition wegbricht.
Für den "Verfall" deutscher Sprache sind in erster Linie international ausgerichtete, deutsche Konzerne und deren Markenstrategie verantwortlich, sicher nicht amerikanische Kinofilme.
Sehen Sie die Wagnerfestspiele in Bayreuth durch das amerikanische Kino gefährdet?
Halten Sie eine internationale Verfilmund von "Der Vorleser" für eine Vergewaltigung deutscher Literatur?
Ein Regisseur wie Danny Boyle, der britische Meisterwerke wie Trainspotting gedreht hat? Gus van Sant aus den Niederlanden? "Spielzeugland" ein Kurzfilm aus Deutschland?
Wo bitte sehen Sie hierdurch eine Gefahr für deutsche Kultur?
Ich unterstelle Ihnen nun einfach mal im Gegenzug, dass Sie schlichtweg keine Ahnung von Kino haben und dass Sie sich v.a. von der Präsentation der Academy-Awards belästigt fühlen.
Das ist eben Amerika: mehr Schein als Sein... na und? Deutsches Spiesbürgertum mag sich daran stören, doch nur ein Kleingeist wird sich davon bedroht fühlen.
Im übrigen: ich bin äußerst froh Europäer zu sein.
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