Oscar-Gala 2009 Botox-frei für den Oscar

Für den Glamour in der Wirtschaftskrise wird der Dior-Gürtel enger geschnallt: Bei der Oscar-Gala am Sonntag wird in Los Angeles gespart - an Partys, Werbung und Schönheitsoperationen.

Die alljährlichen Oscar-Galas in der Glitzerhauptstadt Hollywood waren nie eine Übung in Bescheidenheit, und auch bei der Preisverleihung am Sonntagabend werden Prunk und Selbstdarstellung gewiss wieder ihren Platz haben. Doch dürfte nicht alles so sein, wie es immer war. Die Wirtschaftskrise hat Hollywood erreicht und macht auch vor den Oscars nicht halt. Alles eine Nummer kleiner - so sieht Ausschweifung in Zeiten der Krise aus.

Recycling bei den Oscars: In Zeiten der Wirtschaftskrise wird auch an der Deko gespart.

(Foto: Foto: Reuters)

"Die Filmstudios fahren in diesem Jahr einen strengen Sparkurs", berichtet die alteingesessene Event-Veranstalterin Chris Benarrock aus Los Angeles. "Es gab eine große Entlassungswelle, das wird sich auch in den Galas niederschlagen." Normalerweise begleiten rauschende Partys von Studios, Filmverleihen und Verlagen die Oscar-Verleihung. "In diesem Jahr laden Filmstudios mit einer Oscar-Nominierung eher klein und exklusiv ins Restaurant ein und nicht zu Riesenpartys mit 500 Leuten", sagt die Partyplanerin.

Ein verlässlicher Gradmesser für die Befindlichkeit Hollywoods sind die Schönheitschirurgen, deren Geschäft in der körperfixierten Filmstadt vor der Oscar-Gala regelmäßig einen Boom erlebt. Nicht so in diesem Jahr, sagt der Praxisinhaber Anthony Griffin aus Beverly Hills: "Die ganze Stadt scheint an Oscar-bezogenen Ausgaben zu sparen, das betrifft auch Schönheitsbehandlungen." Der Chirurg Michael McGuire aus Santa Monica berichtet, dass sich Gala-Besucherinnen mit dem Wunsch nach Runderneuerung normalerweise vor der Oscar-Verleihung die Klinke in die Hand geben. "In diesem Jahr wird aber auch an der Schönheit gespart", sagt McGuire. "Die Zahlen gehen zurück", die Botox-Spritze gegen Fältchen zählt nicht zum unverzichtbaren Standard.

Die Branche muss den Gürtel enger schnallen - auch wenn der Gürtel von Dior oder Chanel stammt. Nicht einmal vor den Party-Ereignissen der A-Klasse macht die Krise halt. Als Krönung der Oscar-Nacht gilt seit Jahren die Einladung zur Party des Hochglanz-Magazins Vanity Fair, die nur den Stars der Top-Kategorie offensteht. Für die diesjährige Party, teilte Verleger Graydon Carter vorab mit, werde Deko-Material von früheren Veranstaltungen recycelt. Die Gästeliste werde "spürbar" zusammengestrichen.

Der Spardruck betrifft auch die teuren Werbekampagnen, mit denen die großen Studios den Oscar-Juroren ihre Filme schmackhaft machen wollen. "Solche Kampagnen sind spürbar bescheidener geworden", sagt der Filmkritiker Tom O'Neill von der Los Angeles Times. "Für die typische Oscar-Kampagne standen bislang immer etwa 15 Millionen Dollar bereit", erinnert sich O'Neill. In diesem Jahr habe etwa das Werbebudget für den Film "Benjamin Button" mit Brad Pitt, einem der Top-Favoriten, nur zehn Millionen Dollar betragen. Der Zufall will es, dass der heißeste Favorit für den Haupt-Oscar als bester Film der britische Indien-Streifen "Slumdog Millionaire" ist, der mit einem Drehbudget von 15 Millionen Dollar geradezu als Billigproduktion gelten kann. Sein schärfster Konkurrent "Benjamin Button" kostete das Zehnfache.