Oscar Der Ritter muss in Rente

Der Oscar: Ein mittelalterlicher Preis.

(Foto: AP)

Noch sind die Oscars der wichtigste Filmpreis der Welt. Wenn sie sich nicht verändern, könnte es damit allerdings sehr bald vorbei sein.

Von David Steinitz

Wie viel Geld ist ein Oscar in der begehrtesten Kategorie "bester Film" wert? Tja, in etwa wohl zehn Millionen Dollar.

Wie die Zeitschrift Variety von Insidern erfahren haben will, ist dies die Summe, die große Hollywood-Studios in Lobbyarbeit zu investieren bereit sind, um die Mitglieder der amerikanischen Filmakademie, die über die Vergabe abstimmen, zu umwerben. Schon vor dem ersten Schritt Richtung Gewinn, also der großen Hürde, überhaupt eine Nominierung zu ergattern, werden teure und exklusive Abendessen veranstaltet. Bei diesen Events können potenzielle Stimmkandidaten auch gleich noch ein Selfie mit den Stars machen - um dann hinterher bitte auch für sie zu stimmen.

Nur könnte sich die Außenwahrnehmung der Oscars mit dem aktuellen Preisträgerjahrgang, der am 28. Februar gekürt wird, deutlich verändern - und damit die teuren Werbekampagnen zur Fehlinvestition machen. Natürlich sind die Oscars bislang noch der wichtigste Filmpreis der Welt. Aber wie sich in der immer wiederkehrenden Debatte um Diversität bei den Preisen zeigt - zum Beispiel sind kaum schwarze Filmemacher nominiert -, verlieren sie mehr und mehr den Bezug zur Realität. Die Oscars spiegeln immer weniger die Gesellschaft, aus deren Mitte sowohl die Zuschauer als auch die Filmemacher kommen. Der typische Oscar-Film repräsentiert zu oft nur das alte, weiße, männliche Hollywood. Dass die Zuschauer sich nach mehr Vielfalt sehnen, die sich längst auch ökonomisch auszahlt, zeigt der Erfolg der Eigenproduktionen von Fernsehsendern wie HBO und Streamingdiensten wie Amazon und Netflix, die sowohl vor als auch hinter der Kamera vielfältiger besetzen als das alte Hollywood.

Es ist natürlich löblich, das die amerikanische Filmakademie jetzt Besserung verspricht, um die Oscars bunter zu machen. Beim Aufnahmeverfahren in die Akademie soll künftig mehr darauf geachtet werden, dass der Mitgliederstamm nicht zum weißen Männerclub verkommt. Aber es stellt sich die Frage, ob diese Maßnahmen noch rechtzeitig kommen werden, denn die Mühlen in der traditionsreichen Akademie mahlen langsam. Eine neue Generation an Zuschauern und Filmemachern, die sich längst neue Abspielstationen und Produktions- und Distributionswege erschlossen hat, wird sich möglicherweise bald immer weniger für einen konservativen Preis wie den Oscar interessieren. Die Oscar-Statue ist ein kleiner Ritter mit Schwert - und symbolisiert damit perfekt, was dieser Preis mittlerweile ist: mittelalterlich.