Verdi für Kinogänger: Doris Dörrie inszeniert "Rigoletto" an der Bayerischen Staatsoper - inspiriert vom "Krieg der Sterne" und "King Kong".
Vor vier Jahren begann Doris Dörrie, Opern zu inszenieren. An der Berliner Staatsoper unter den Linden brachte sie 2001 Mozarts "Così fan tutte" im Flower-Power-Dekor heraus, 2003 folgte Puccinis "Turandot" als japanisches Manga-Comic.
Spaß bei der Arbeit: Doris Dörrie (© Foto: dpa)
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Heute hat ihre dritte Operninszenierung Premiere: an der Bayerischen Staatsoper kommt Verdis "Rigoletto" heraus, die musikalische Leitung hat Zubin Mehta. Interview: Egbert Tholl
SZ: Frau Dörrie, was haben denn die Jugendlichen gesagt, die gerade in der Probe waren?
Dörrie: Die waren sehr ergriffen, genau so, wie ich mir das gewünscht habe. Sie konnten auch sofort die Bilder dechiffrieren, mit denen ich spiele. Mir geht es primär um diese jungen Leute, die, wie ich, nicht von sich aus einen Zugang zur Oper finden, denen man den Weg dorthin ebnen muss.
SZ: Und wie schauen die jugendfreundlichen Bilder aus?
Dörrie: Ich ernähre mich von Kino-, nicht von Opernmythen. Die Bilder in "Rigoletto" sind inspiriert von vielen verschiedenen Filmen. Da kommt "Krieg der Sterne" vor, "Planet der Affen", "2001", "King Kong".
SZ: Ein klassisches Opernpublikum wird damit indes Probleme haben.
Dörrie: Wir hatten eine Einführung, mit einem Publikum, dessen Durchschnittsalter knapp unter 70 lag. Von diesen 350 Leuten kannten drei "Krieg der Sterne" und "Planet der Affen". Von den Jugendlichen heute kannten alle die Filme. Das ist dieses seltsame Missverhältnis. Ich glaube aber nicht, dass man die Filme kennen muss, um diese Interpretation zu verstehen. Da geht es um elementare Dinge: um Ausgegrenztsein, um eine entmenschlichte Gesellschaft.
SZ: Um das zu erzählen, brauche ich aber keine Kino-Oberfläche.
Dörrie: Für die Kinogänger stellt dies jedoch einen emotionalen Wiedererkennungswert dar. Für die Opernprofis ist es nicht entscheidend; die kennen die Geschichte sowieso. Ich aber komme aus einer Ecke, die keine Ahnung, keine Opernerfahrung hat. Und ich frage mich: Wieso habe ich so lange gebraucht, um den Weg in die Oper zu finden? Weil mir das alles so weit weg erschien - und ich muss sagen, mit Recht, wenn ich mir so den Querschnitt all dessen anschaue, was ich mir dann angesehen habe.
SZ: Kokettieren Sie mit Ihrer Ahnungslosigkeit?
Dörrie: Na, wie soll ich damit kokettieren, wenn ich bekennen muss, dass ich keine musikalische Ausbildung habe.
SZ: Die haben viele Opernregisseure nicht.
Dörrie: Das weiß ich doch nicht. Ich denke, dass die alle eine Partitur lesen können. Bis vor vier Jahren hatte ich nur "Die Zauberflöte" gesehen, einmal als Kind und einmal mit meinem Kind. Ich kann doch jetzt nicht behaupten, dass ich innerhalb von vier Jahren zum Opernkenner geworden wäre.
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