Oper Ein Sängerfest

Schalk, Witz und musikalisches Leben: Andrè Schuen (Guilelmo) und Jennifer O'Loughlin (Fiordiligi).

(Foto: Thomas Dashuber)

In Mozarts "Così fan tutte" überzeugt vor allem die Besetzung

Von Egbert Tholl

Auf eines kann das Staatstheater am Gärtnerplatz wirklich stolz sein: Seine "Cosi" glänzt mit einer ziemlich grandiosen Besetzung; zumindest zu vier Sechsteln. Wo beginnen? Vielleicht mit der Fiordiligi, Jennifer O'Loughlin (besprochen wird hier naturgemäß die Premierenbesetzung, was ein bisschen gemein für die alternierenden Sänger ist, aber so ist nun einmal das Geschäft). Also, die Fiordiligi: pumperlgesund, mit viel Schalk und Witz ausgestattet verfügt O'Loughlin über einen prächtigen Mozart-Sopran, voller Farben, leicht, warm, lyrisch, beweglich - ja nun, annähernd perfekt. Ihre Kollegin Lena Belkina hat es da als Dorabella schwerer, sie singt Mozart, als wäre es Verdi; vermutlich sänge sie auch lieber Verdi, aber dazu ist ihre Stimme zu klein. In den erlesenen Ensembles jedoch fügt sie sich klanglich wunderbar zu den anderen.

Eine Schau sind die beiden Herren, Dean Power als Ferrando und Andrè Schuen als Guilelmo. Erstens sind sie zwei Prachtkerle, denen man auch den Verführungsschmonzes abnimmt, rein optisch. Und dann glänzt der eine, Power, mit einem bei allem Schmelz kernigen Tenor, während der andere, Schuen, über eine Baritonstimme verfügt, die er gebraucht, als wäre er eben auch ein Tenor. Also spielerisch, selbstverständlich, nie breit, aber da ist ein Fundament, holla. Die beiden, man kann sie wirklich als stimmliche Doppeleinheit empfinden, auch wenn vielleicht, bedingt durchs Stimmfach, Schuen die größere Sensation ist. Die beiden pulsen ein musikalisches Leben in die Aufführung, das große Freude macht. Daneben wirkt Ralf Lukas als Don Alfonso nicht im Spiel, aber in der Stimme müde, überarbeitet. Jedoch die Despina von Mária Celeng ist ein hüpfender Wahnsinn, mit einer beeindruckend bombensicheren Stimme.

Ihr wünschte man am meisten, aber bei den anderen ist es nur graduell weniger dringend, dass Regisseur Olivier Tambosi ein wenig Hirn hätte. Mehr jedenfalls, als die allerältesten "Cosi"-Zöpfe zu flechten, da hilft auch das aufgeräumte Bühnenbild von Bengt Gomér wenig. Verkleidungsklamotte - wenn auch flott - in Reinkultur, keine Haltung zum an sich ja liebesverachtenden Experiment und am Ende ein breites Suhlen in maskuliner Besserwisserei. Das ist angesichts der Interpretationsgeschichte dieser Oper ein Rückfall in blümeranten Atavismus. Das Orchester indes spielt im Cuvilliés-Theater prachtvoll auf, doch unter Michael Brandstätter bleibt es ein klein wenig hinter seinen Möglichkeiten in Sachen Dynamik und feiner, solistischer Ziselierung zurück. Was bleibt? Ein Sängerfest.