Oper Bergschifffahrt

Wagners "Holländer" in Oberammergau

Von Rita Argauer, Oberammergau

Für den lettischen Dirigenten Ainars Rubikis läuft es richtig gut. 2010 hat er den Dirigierwettbewerb der Bamberger Symphoniker gewonnen, bis 2014 war er Musikdirektor des Opernhauses in Nowosibirsk. Seitdem tourt er dirigierend um die Welt und wurde gerade von 2018 an als neuer Generalmusikdirektor der Komischen Oper in Berlin engagiert.

Da verwundert es doch ein bisschen, dass er sich ausgerechnet Oberammergau als Herzensprojekt ausgesucht hat. Dort, wo Christian Stückl seit einiger Zeit den Passionstheaterbau auch in Nicht-Passions-Jahren als Theater nutzt. In dem Ort, wo der Chor in den Musiktheaterproduktionen mit Laien aus Oberammergau besetzt wird und ein Regisseur (Christian Stückl) nun Wagner ("Der Fliegende Holländer") inszeniert, der freimütig zugibt, zuvor noch nie eine Oper Wagners auf der Bühne gesehen zu haben.

"Jeder Dirigent sucht sich wohl irgendwann ein Festival, das er als sein Baby begreift", sagt Ainars Rubikis, nun als so etwas wie der frischgebackene Vater der Oberammergauer Opernproduktionen. Denn nachdem er dort in den vorherigen beiden Jahren "Nabucco" dirigiert hatte, wusste er, dass er in "The Oberammergau", wie er es nennt und was in dieser Formulierung mehr wie "The Bronx" klingt als nach dem oberbayerischen Alpenidyll, so einen Ort gefunden hatte: "Hier wird zusammen etwas erschaffen", führt er aus, das Team und die Leute aus dem Ort, die an der Aufführung mitwirken, seien überaus engagiert, er selbst sei da nur stolz darauf, überhaupt dabei sein zu dürfen.

Stolz sind aber bestimmt auch die Oberammergauer Chorsänger oder das Jugendorchester Neue Philharmonie München, die eben mit Rubikis nun einen passionierten musikalischen Chef haben, der in seiner übrigen Zeit gerade in die Oberliga der europäischen Dirigenten aufsteigt. Für Rubikis, der sich trotz seiner hochklassigen Engagements überhaupt nicht höherklassig fühlt als seine Oberammergauer Mitmusiker, ist die Arbeit mit Laienensembles jedoch auch nicht neu. Er habe viel mit nicht professionellen Ensembles gearbeitet. "Die Mischung ist gut", sagt er: Professionelle Solisten wie Gábor Bretz in der Titelrolle oder Liene Kinča als Senta treffen auf das Jugendorchester, in dem junge Musiker aus der ganzen Welt spielen, die im Begriff sind, sich zu professionalisieren, und den Laienchor. "Die Profis unterstützen die Laien", sagt Rubikis.

Nach dem Erfolg von "Nabucco" hätten Rubikis und Stückl zunächst noch über eine weitere Verdi-Produktion nachgedacht. Doch Wagner, dessen "Holländer" sowohl eine Verbindung zu Rubikis' Heimatstadt Riga aufweise - Wagner sei von dort mit dem Schiff gefahren, in einen Sturm geraten und zum "Holländer" inspiriert worden -, als auch indirekt über Ludwig II. mit der Alpenlandschaft und Oberammergau verbunden sei, erschien ihnen passend. Und es wird noch viele Jahre mit Gelegenheiten für weitere Stücke geben. Denn Rubikis hat nicht vor, sein oberbayerisches Baby sobald zu verlassen.

Der Fliegende Holländer; Premiere am Freitag, 30. Juni, 20 Uhr, Passionstheater Oberammergau