Im Jahre 13 des World Wide Web lockt das Online-Angebot von Zeitungen immer mehr Menschen an. Die Verlage wittern neue Möglichkeiten - und die Leser können profitieren.
Im gehobenen amerikanischen Journalismus gibt es so etwas wie ein ,,Friedman-Prinzip''. Es besagt, dass ein bekannter Zeitungsjournalist beständig von verlagseigenen Kameras umgeben ist, weil er auf unterschiedlichen Kanälen publiziert, nicht nur Texte für den Print-Teil abliefert.
Omnipräsentes Internet: Eine Geisha im Teehaus (© Foto: AFP)
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So wird er mehr und mehr zum Medien-Star, zu seiner eigenen Marke: Er führt durch die eigene Reportage, richtet mit Verve einen Kommentar an die Nation und befragt einen Gast im Talk. Auf diese Weise hat es der Autor Thomas L. Friedman bei der New York Times tatsächlich zu medialer Omnipräsenz gebracht.
Der Mann füllt den ,,Opinion''-Teil im kostenpflichtigen Online-Angebot ,,Times Select'' der wichtigsten amerikanischen Tageszeitung. Das ist inzwischen so etwas wie das Pay-TV der Pressewelt am Times Square.
Video und Radiostücke als Zusatz
Das ,,Friedman-Prinzip'' zeigt beispielhaft, wohin das Internet einen Medien-Oldie führen kann. Wurden bislang die mehr oder weniger goldenen Worte der Redakteure auf Papier gedruckt und mit Lastwagen in die Welt gebracht, so findet sich jetzt allerlei digital Vernetztes im Angebot: Videos und Radiostücke, animierte Grafiken und Dossiers zum Anklicken, Leserkommentare und Umfragen, Hitlisten und Bildergalerien.
Es ist die bewegte Welt einer multimedialen Plattform, die sich im radikal veränderten Info-Markt gegen andere Plattformen behaupten muss - gegen die der Fernsehsender, der Telefonriesen, der Kabelkonzerne sowie der ,,Googles'', vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben.
,,All the news that's fit to print'', so heißt seit 1896 die Losung der New York Times. ,,All the news that's fit to flow'', so müsste es heute lauten. ,,Newsplex'' nennen die Wissenschaftler diese neue Realität.
Internet immer gefragter
Im Jahre 13 des World Wide Web hat die digitale Revolution nicht nur die klassischen Mainstream-Medien, also die Zeitungsbüros und Sendeanstalten erreicht, sondern auch jene Massen, auf welche die Medien bislang gerichtet waren: So kürt das Nachrichtenmagazin Time gerade den einfachen Internetnutzer zum Man of the Year. Auf dem Titel wird er an diesem Montag mit einem großen ,,You'' gepriesen.
Das ist, nach der Auszeichnung für den Personal Computer im Jahr 1982, das zweite Mal, dass der sich abzeichnende digitale Lebensstil ausgezeichnet wird - zuerst mit der Maschine, die ihn ermöglicht, nun mit dem User. Mit ,,You'' sind alle gemeint, die sich über Blogs und Mails und Meinungen einbringen in die Welt der Medien - www.zukunft.de.
Die Sensation des Jahres 1994, als das Nachrichtenmagazin Der Spiegel erstmals Artikel im Web anbot, ist nur ein Fußnötchen der Geschichte - aus einer Zeit, als Helmut Kohl in Bonn regierte und Datenautobahnen bei seinem Bundesverkehrsminister gut aufgehoben sah. Ein ,,highway to hell''? Was wird in den nächsten 13 Jahren mit dem 401 Jahre alten Medium Zeitung geschehen?
"Online first"
In vielen amerikanischen, britischen oder skandinavischen Verlagen wird seit Monaten nach dem ,,Friedman-Prinzip'' gearbeitet - die Erosion der Auflage soll durch den Netzangriff kompensiert werden.
Die Bewegung gebar den Slogan ,,Online first''. Er soll plakatieren, dass der Bericht eines Reporters oder eines Korrespondenten direkt ins Netz gestellt wird, ehe er Stunden später auf Papier erscheint.
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