Die Wege kreuzen sich: Der Brockhaus geht ins Internet, Wikipedia hingegen setzt auf Print: Im September soll die weltweit erste gedruckte Version der Online-Enzyklopädie herauskommen.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Brockhaus-Verlag angekündigt, sein allgemein anerkanntes Lexikon künftig ins Internet zu stellen, und die Druckausgabe einzustellen. Ganz so stimmt diese Aussage nicht mehr: Inzwischen prüft Brockhaus, ob es nicht doch eine weitere Druckauflage geben soll. Es wäre die 22. Der ursprünglich für den 15. April terminierte Internet-Start wurde jedenfalls vertagt. Verschoben dürfte allerdings kaum aufgehoben sein: Auf Dauer wird der Brockhaus-Verlag kaum ums Netz herumkommen.

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Verblüffenderweise will Wikipedia nun den entgegengesetzten Weg gehen: Im September soll die Online-Enzyklopädie erstmals als Buch erscheinen. Ausgeführt wird das Projekt vom Bertelsmann Lexikon Institut, das zum Wissen Media Verlag gehört, einer Tochter des Bertelsmann-Konzerns.

Einbänder mit knapp tausend Seiten

Auf den knapp tausend Seiten des Einbänders wird allerdings weniger als ein Prozent der Wikipedia-Texte Platz finden. Schließlich umfasst das deutschsprachige Wikipedia inzwischen fast 740.000 Artikel.

Das Wikipedia-Lexikon sei kein A-bis-Z-Nachschlagewerk. Mit 50.000 Stichwörtern verzeichne es die im vergangenen Jahr am häufigsten recherchierten Suchbegriffe der Online-Enzyklopädie, teilte der Wissen Media Verlag mit.

Auch der Umfang der Artikel werde stark beschnitten. Die Einträge beschränkten sich im Wesentlichen auf die Kurzdefinitionen, die am Anfang der Wikipedia-Artikel stehen.

Aktuellere Themenauswahl als in konventionellen Lexika

Der Wissen Media Verlag nannte das Projekt ein "lexikalisches Jahrbuch", da die Themenauswahl deutlich aktueller sei als bei konventionellen Lexika. "Diese Auswahl ist in sich schon spektakulär respektive unique und unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was klassische Lexika als Stichwortauswahl normalerweise präsentieren", sagte Verlagsleiterin Beate Varnhorn zu heise online. So fänden die Leser in dem neuen Lexikon Einträge sowohl über die US-Fernsehserie "Dr. House" als auch über die Porno-Darstellerin Gina Wild.

Das Wikipedia-Lexikon soll 19,95 Euro kosten - davon geht ein Euro an den Verein Wikimedia Deutschland. Aufgrund der Lizenzbestimmungen Wikipedias muss aber auch eine Online-Version des Werks kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Wichtiger Meilenstein

Für Wikimedia Deutschland ist das Wikipedia-Lexikon ein wichtiger Meilenstein. "Es wird weltweit das erste gedruckte allgemeine Nachschlagewerk auf Basis von Wikipedia-Inhalten sein", sagte Vorstandsmitglied Mathias Schindler zu heise online. "Wir sind sehr gespannt auf die Resonanz und hoffen, dass damit all jene widerlegt werden, die gedruckte Lexika in Zeiten des Internets schon abgeschrieben haben."

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(sueddeutsche.de/pak)