Die Sehnsucht eines Senders, sein Image zu verändern: Oliver Pocher erklärt den Gremienweisen der ARD, warum Jugendliche die öffentlich-rechtlichen Sender meiden.
So hilflos lächelnd war Volker Herres selten zu sehen. Donnerstagabend, 23.25 Uhr: Der NDR-Fernsehchef und baldige ARD-Programmdirektor steht auf der Party zum Vorentscheid des Eurovision Song Contest in Hamburg herum, als Oliver Pocher auftaucht. Live bittet der 30-Jährige den 20 Jahre älteren ARD-Manager, für Schmidt und Pocher sein Beck's-Bier in die Kamera zu halten: "Kiwi habt ihr doch auch ins Grab gebracht mit so'ner Nummer." Die ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel verlor wegen Schleichwerbung ihren Job.
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Oliver Pocher hat momentan den besten Punch. (© Foto: Getty)
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So jung und keck wie in diesem Augenblick ist das Erste selten. Wer tags zuvor in München beim Bayerischen Rundfunk Fritz Raff zugehört hatte, konnte sie spüren - die Sehnsucht des Senders, sein Image zu verändern. "Jugendliche sind noch auf der Suche nach sich selbst", philosophierte der 60-jährige ARD-Vorsitzende. Anlass seiner Rede war die erste von mehreren Tagungen der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) zum Thema: "Erreichbarkeit der Jugend".
Die Lage ist ernst: Fünf Prozent der 14- bis 29-Jährigen schalteten 2007 das Erste ein - RTL kam auf 16,8, Pro Sieben sogar auf 17,4 Prozent. Älter als die ARD ist nur das ZDF (4,1 Prozent). Raff: "Wir haben ein Problem."
Für Lösungsvorschläge hatte die GVK neben dem ARD-Vorsitzenden auch die Herren Herres und Pocher aufs Podium gebeten. Sie sollten eine Antwort finden auf die Frage: "Wie werden Jugend und öffentlich-rechtlicher Rundfunk ein unzertrennliches Paar?"
Geredet haben die Gremien-Vorsitzenden vor allem darüber, was nicht geht. Programme auf dem Niveau von Deutschland sucht den Superstar etwa (Raff). Oder Moderatoren wie Stefan Raab (Rainer Tief, BR-Hauptabteilungsleiter Bayern 3, Jugend, Multimedia).
Ach ja, die ARD. Von einem Jugendsender, der die Kika-Zuschauer abfängt, bevor sie zu den Privaten abwandern, wurde gesprochen. Und Raff schlug vor, Handys zur Verbreitung von Inhalten zu nutzen. Jetzt also auch er. Selbstverständlich ging es dann sofort ums Internet: weg vom linearen Programm, mehr Radio-Podcasts und TV-Inhalte in der Mediathek. Leider gibt es da ja die "lachhafte" (Raff) Vorgabe, nur 0,75 Prozent der Rundfunkgebühren für Online-Aktivitäten zu verwenden.
Dass der Laufstegtrainer Bruce Darnell zur ARD geholt wurde, "an allen Gremien vorbei" (Raff), hat alle Gremien am meisten beschäftigt. Immerhin erklärte schließlich Oliver Pocher, warum dieser spezielle Verjüngungsversuch floppen musste: "Wenn Sie einen maximal pigmentierten Homosexuellen mit einem Wortschatz von 150 Vokabeln ins Programm holen, dann kann das schief gehen." Die minimal pigmentierten Herren im Publikum lachten sehr.
Doch dann wurde Pocher richtig frech. Er kenne keine ARD-Sendung, die sich an 14- bis 29-Jährige richte, klagte Harald Schmidts Co-Moderator. Wo sie einschalteten, etwa beim Tatort, würden sie danach durch Formate wie Anne Will vergrault. Ein "Audience Flow" - Zuschauer, die von einer Sendung zur nächsten gezogen werden - gelinge nirgends. Junge Formate? Pfff.
Natürlich gab es von Raff, Tief und Herres umgehend Widerspruch. Doch interessanterweise erhielt Pocher, der im privaten TV-System aufwuchs, von den öffentlich-rechtlichen Kollegen seines Alters Zuspruch. Er freue sich sehr, dass Pocher im Ersten sei, sagte Jan-Philippe Schlüter, stellvertretender Redaktionsleiter von DasDing, dem jungen SWR-Radio.
Er selbst würde seine Homepage gerne mit allen möglichen Multimedia-Inhalten bespielen, sei aber durch den Radio-Etat "total gedeckelt". Wie Pocher sähe er nichts Schlimmes, würde Stefan Raab mal fürs Erste arbeiten. "Guter Mann!", rief Pocher. "Kann der nicht Intendant werden, irgendwo?"
Irgendwann vielleicht. Schlüter ist 30. Es kann sich nur noch um Jahrzehnte handeln.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(SZ v. 8./9.3.2008/korc)
Union debattiert über Familienpolitik
Mit abgenudelten Köpfen aus dem Privatfernsehen können die Öffentlich-Rechtlichen jedenfalls nicht punkten ... das sollten sie langsam mal gelernt haben.
Vielleicht wär es ganz gut, mal einen intelligenten jungen Typen in den ARD Vorstand zu lassen, also die Mischung aus Raff und Pocher. Womit wir fast schon bei
(Charlotte) Roche(r) wären.
Wenn Raff Jugendsendungen ins Programm holt, ist das wie wenn Lehrer die besten Kumpels von 8-KLässlern sein wollen. Es geht nicht, sieht peinlich aus und ist für beide Beteiligten äußerst unerfreulich.
Wenn man Pocher von der Leine ließe, wäre alles nur noch blöd. Das will auch keiner.
Also die Charlotte oder auch verdiente Leute von DASDING oder dem Zündfunk mal ranlassen, es muss ja nicht gerade Jan-Phillippe sein. Frische verträgt sich unter Umständen auch mti Niveau, und das würde auch dem öffentlich-rechtlichen Anspruch gerecht werden.