Karlheinz Böhm ist tot Vom Kaiser zum Entwicklungshelfer

Als Schaupieler wurde er vor allem als Kaiser Franz Joseph in den Sissi-Filmen bekannt, später gründete er die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" und engagierte sich in Äthiopien. Nun ist Karlheinz Böhm im Alter von 86 Jahren gestorben.

Der Schauspieler und Gründer der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen", Karlheinz Böhm, ist tot. Er starb am Donnerstagabend im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Grödig bei Salzburg, wie eine Sprecherin der Stadt Salzburg am Freitag erklärte.

Böhm war seit langer Zeit gesundheitlich angegriffen, seine Äthiopien-Stiftung "Menschen für Menschen" führte seit einigen Jahren seine Frau Almaz. Im vergangenen Dezember gab sie den hauptamtlichen Vorstandsvorsitz ab, um sich um ihren schwer kranken Mann zu kümmern. "Mit Karlheinz Böhm verliert die Welt einen mutigen Visionär und unerbittlichen Kämpfer für Gerechtigkeit", erklärte "Menschen für Menschen".

Sein Leben in Bildern

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Böhm hatte als Schauspieler eine rasante Karriere gemacht. Der Sohn des Dirigenten Karl Böhm erhielt 1949 neben O. W. Fischer sein erstes Engagement am Wiener Burgtheater. Bald folgten TV-Rollen und Kinofilme. Über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt wurde er als Kaiser Franz Joseph in den Sissi-Filmen an der Seite von Romy Schneider. Maßgeblich beeinflusste ihn die Arbeit mit Rainer Werner Fassbinder, die sein sozialkritisches Denken schärfte.

Ein Leben für Äthiopien

Bei einem Aufenthalt in Kenia wurde Böhm mit der Armut in Afrika konfrontiert. Unter diesem Eindruck wettete Böhm 1981 in Frank Elstners Wetten, dass..?-Sendung, dass nicht jeder Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für die notleidenden Menschen spenden würde. Dabei kam ein Millionenbetrag zusammen - Böhm verabschiedete sich aus dem Filmgeschäft und gründete seine Hilfsorganisation. Seitdem hat "Menschen für Menschen" zusammen mit der Bevölkerung etwa 300 Schulen, Dutzende Krankenstationen und Hunderte Wasserstellen gebaut. Von 1982 bis 2007 nahm die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 300 Millionen Euro Spenden ein.

Zuletzt hatten jedoch Vorwürfe eines Großspenders gegen Almaz Böhm und die Stiftung Schlagzeilen gemacht. Der Vorwurf von Bilanzfälschung, Verschwendung und Intransparenz wurde aber entkräftet; die Stiftung erhielt Rückendeckung vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen und behielt dessen Spendensiegel - wenngleich mit der Empfehlung, einige Verbesserungen vorzunehmen.

"Ich habe in Äthiopien den Sinn meines Lebens gefunden", sagte Böhm der Nachrichtenagentur dpa bereits anlässlich seines 80. Geburtstages. Seinem Schauspielerleben in Glanz und Glamour habe er keine Minute lang nachgetrauert. "Wenn ich das vergleiche: Ein Menschenleben zu retten und alle Erfahrungen, die ich als Schauspieler gemacht habe - was soll ich da vermissen?"