Occupy-Bewegung besetzt Berlin Biennale "Damit fängt Kultur erst an"

Die Berlin Biennale gilt als eine der wichtigsten Plattformen zeitgenössischer Kunst in Deutschland. Diesmal ist die Ausstellung schon vor Beginn politisch wie nie zuvor. Am Mittwoch haben die von der Kunstschau geladenen Occupy-Aktivisten den Schauplatz in Berlin erobert. Kritiker fragen hingegen, ob das wirklich noch Kunst ist.

Die internationale Occupy-Bewegung hat am Mittwoch die Berlin Biennale symbolisch besetzt. Zahlreiche Aktivisten der Protestgruppe funktionierten die Pressekonferenz zu der am Freitag beginnenden Kunstschau zu einer Agitationsrunde um, ein Sprecher der Gruppe kündigte auch für die kommenden zwei Monate ein "kollektives Experiment" an. "Wir haben uns entschieden, an der Berlin Biennale teizunehmen - nicht um Kunst zu präsentieren, sondern um unsere Sache voranzubringen", sagte er vor Medienvertretern aus aller Welt.

Der polnische Kurator Artur Zmijewski (r) spricht neben der polnischen Kuratorin Joanna Warsza bei der Pressekonferenz zur 7. Berlin Biennale in der Villa Elisabeth in Berlin.

(Foto: dpa)

Die nationalen und internationalen Künstler beschäftigen sich in diesem Jahr mit ganz großen politischen Themen: Krisen und Protestbewegungen, das geteilte Berlin und die einstige Schlacht um die Hauptstadt sowie der Wunsch nach einem Staat Palästina werden thematisch an den insgesamt sechs Ausstellungsorten aufgegriffen.

"Wir stellen Kunst vor, die tatsächlich wirksam ist, Realität beeinflusst und einen Raum öffnet, in dem Politik stattfinden kann", so der polnische Videokünstler und Kurator Artur Zmijewski. Kritiker fragen dagegen, ob dies tatsächlich noch Kunst ist. Denn auch die umstrittene Occupy-Bewegung wurde von der Biennale offiziell zur Teilnahme eingeladen, die ihr auch eine Ausstellungshalle für ihre Aktionen zur Verfügung stellt.

Kunst mit nachhaltiger politischer Wirkung

"Sie tun, was sie tun wollen", sagte Kuratot Zmijewski, der den von den Aktivisten geforderten Freiraum zur Verfügung gestellt hat. "Wir akzeptieren das, weil sie unsere Lehrer sind". Ziel der von ihm gestalteten Biennale sei, Kunst zu unterstützen, die nachhaltige politische Wirkung habe. Der für seine Grenzüberschreitungen bekannte Künstler hat als Co-Kurator auch das radikale russische Kunstkollektiv "Voina" geladen. Die Gruppe, die von der russischen Polizei als "Bande" bezeichnet wird, darf Petersburg jedoch nicht verlassen.

Gabriele Horn vom KW Institute for Contemporary Art, Veranstalterin der vom Bund mit 2,5 Millionen Euro geförderten Kunstschau, verteidigte die Entscheidung, die Occupy-Bewegung einzuladen: "Auch Institutionen, die vorwiegend Kulturinstitutionen sind, sollten ihre Räume für Diskussionen öffnen, die die Gesellschaft betreffen. Damit fängt Kultur erst an".

Die Bewegung "Occupy Wall Street" war aus Protest gegen das Vorgehen der Banken in der Finanzkrise gegründet worden. Auf seiner Website stellt sich der deutsche Teil der vor allem über das Internet verbundenen Bewegung als Organisation ohne Hierarchien oder Anführer dar. Bei der Biennale sind eigenen Angaben zufolge Aktivisten aus Frankfurt, New York, Amsterdam und Spanien, sowie mehrere befreundete Bewegungen vertreten.

Die Biennale, die seit 1998 alle zwei bis drei Jahre in Berlin stattfindet, gilt als wichtige Plattform zeitgenössischer Kunst. Sie wird am 26. April eröffnet und läuft dann von 27. April bis 1. Juli 2012.