Von Lilith Volkert

Streitfall Afrika: Die sehr katholische Fürstin Gloria und Barack Obamas Halbschwester Auma geraten im TV-Studio über Aids, Frauen und Familie aneinander.

Das hätte man gerne gesehen: Gloria von Thurn und Taxis geht der Halbschwester von Barack Obama unter spitzen Schreien an die Kehle. Doch als es so weit zu sein scheint, zieht der Moderator die Notbremse.

Auma Obama bei "Beckmann" Bild vergrößern

Auma Obama bei "Beckmann" (© Foto: ARD/sueddeutsche.de)

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Kurz danach ist die Sendung zu Ende, und damit eine aufschlussreiche Diskussion über Afrika, Aids und die katholische Kirche. Der Aktualität zuliebe - und weil demnächst ein bei dieser Gelegenheit billig zu bewerbender RAF-Film im Ersten läuft - hat man auch kurz über die Freilassung des RAF-Terroristen Christian Klar gesprochen.

Zunächst aber ist es bei "Beckmann" in der ARD die Stunde der starken, besonnenen Frauen. Auma Obama, die Halbschwester von Barack Obama, und Monika Schumann, deren Mann bei der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut 1977 ermordet worden war, lassen mit ihren ruhigen, klugen Antworten den um Emotionen buhlenden Reinhold Beckmann alt aussehen.

Dass ihr Halbbruder bald der mächtigste Mann der Welt ist, merkt man Auma Obama nicht an. Ob Barack Obama nicht eine unfassbare Ausstrahlung habe, will Beckmann wissen. "Er ist mein Bruder, ich entdecke nichts Neues an ihm", sagt die 49-Jährige und schüttelt lachend die kinnlangen Dreadlocks.

Und warum umgibt sich der künftige Präsident bevorzugt mit starken Frauen und holt sie als Ministerinnen in wichtige Ämter? Wahrscheinlich haben sie die Kompetenz für diesen Job und sind nur zufällig Frauen, antwortet Auma freundlich. Auch was Beckmann über Barack Obamas Versprechen von "Change", vom Wandel, sagt, stellt sie richtig: "Er redet nicht davon, dass er alles verändern wird. Er sagt zu den Leuten: Mit eurer Hilfe werde ich das verändern!"

In Deutschland studiert, in England gearbeitet

Die Kenianerin hat in Deutschland studiert und ihren Doktor gemacht, später in England gearbeitet. Ihren Halbbruder Barack hat sie erst mit Ende 20 kennengelernt, damals besuchte sie ihn in Chicago. Der gemeinsame Vater war zu diesem Zeitpunkt schon tot.

Glücklicherweise macht Reinhold Beckmann nicht den Fehler, Auma Obama nur über den berühmten Verwandten auszufragen, sondern unterhält sich mit ihr auch über ihre Arbeit und die Zeit in Deutschland.

16 Jahre hat Auma Obama in Heidelberg, Bayreuth und Berlin gelebt, sie ist "hier aufgewachsen", wie sie es formuliert, das heißt "zur erwachsenen Frau geworden". Mit Fremdenfeindlichkeit - in Mölln und Solingen wurden Anfang der neunziger Jahre die Häuser von Ausländern angezündet - habe sie selbst keine Erfahrungen machen müssen. "Ich spreche ja Deutsch, ich konnte mit den Leuten reden."

Von Obama zum Ex-Terroristen Klar

Heute lebt Auma Obama in Nairobi und arbeitet für die Hilfsorganisation Care mit Kindern und Jugendlichen, unter anderem zur Aidsprävention. Wie schade, dass man einen berühmten Bruder haben muss, um im Fernsehen von seiner spannenden und sinnvollen Arbeit erzählen zu dürfen.

Rascher Themawechsel: Dass Ex-RAF-Terrorist Christian Klar entlassen wird, habe sie so erwartet, erzählt Monika Schumann, entsetzt sei sie nicht darüber. Gefasst, fast abgeklärt, berichtet sie von ihren Erinnerungen an den Herbst 1977 und ihrer Begegnung mit der Terroristin Souhaila Andrawes, die bei der Entführung der Landshut dabei gewesen ist.

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